E-Autos: Umfragen zur Zufriedenheit
Die Unzufriedenheit wächst: E-Auto-Besitzer werden kritischer

Menschen, die sich für ein Elektroauto entschieden haben, sind mit ihrer Wahl lange nicht mehr so zufrieden wie früher. Das zeigt eine neue Umfrage. Allerdings ist daran nicht nur die Qualität der E-Autos schuld.
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- Raphael Schuderer
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Lohnt sich der Umstieg auf ein Elektroauto? Diese Frage stellen sich immer mehr Autokäufer. Bei der Suche nach einer Antwort können natürlich Erfahrungswerte helfen. Zum Beispiel von Menschen, die schon ein E-Auto fahren. Die jedoch haben längst kein so gutes Bild mehr von ihrem Stromer, wie das früher der Fall war.
Laut einer aktuellen Umfrage ist die Kundenzufriedenheit bei E-Auto-Besitzerinnen und -Besitzern merklich gesunken. So befragten die Marktforscher von UScale in ihrer EV-Zufriedenheits-Studie 2023 im Frühjahr gut 4500 Probanden aus dem DACH-Raum (Deutschland-Österreich-Schweiz) zu ihren Ansichten über ihr Electric Vehicle (EV). Ergebnis: Nur noch 18 Prozent würden ihr Elektroauto einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen. 2022 waren es noch 30 Prozent – macht einen Rückgang von 40 Prozent.
Und das, obwohl sich die Performance von Elektroautos in den Bereichen Ladeleistung und Reichweite, aber auch anderen Feldern wie Funktionalität und Bedienung verbessert, wie die Studie ebenfalls feststellt.

Die Ansprüche von Kunden an Technik, Leistungsfähigkeit und Preis eines E-Autos sind im Laufe der Jahre gestiegen.
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Die Gründe dafür, so die UScale-Experten, lägen auf der Hand: Die ersten Elektroautofahrer, die sogenannten Innovatoren, seien vielfach noch Abenteurer gewesen, die über so manches technische Problem großzügig hinweggesehen hätten. Die Early Adopter, die in den letzten zwei, drei Jahren ein Elektroauto gekauft hätten, seien anspruchsvoller. Oder, vereinfacht gesagt: E-Auto-Besitzer werden kritischer.
Im April 2022 sah das noch ganz anders aus. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Puls im Auftrag des Autoportals mobile.de ziegten sich nahezu alle Besitzer von Elektroautos (97,5 Prozent) zufrieden mit ihrem Fahrzeug, vier von fünf konnten sich sogar keinen Wechsel mehr auf eine andere Antriebsart vorstellen.
Die Gründe für den Wechsel hin zur Elektromobilität waren vielfältig: Bei den Käufern standen Umweltbewusstsein (62 Prozent) sowie Steuer- und Kraftstoffersparnisse (50 Prozent) ganz vorn als Motivation, danach folgten zukunftsweisende Mobilität (45,5 Prozent) und die Attraktivität der verfügbaren Fahrzeugmodelle (30 Prozent).
Auch Hybrid-Fahrer meistens zufrieden
Neben Nutzern von Elektroautos zeigten sich auch Plug-in-Hybrid- (88,3 Prozent) und Mildhybrid-Fahrer (85,4 Prozent) zufrieden – und die meisten bereuten den Umstieg keineswegs. Hatten Autofahrer ein vollelektrisches Fahrzeug, wechselten sie tendenziell nicht auf einen anderen Antrieb: Das gaben 82 Prozent der Besitzer von E-Autos an, wohingegen 40,4 Prozent der Fahrer eines Verbrenners generell wechselbereit waren.
Viele Benzin- und Diesel-Fahrer nicht abgeneigt
Knapp zwei Drittel der Benziner- und Diesel-Fahrer (65,8 Prozent) konnten sich grundsätzlich vorstellen, ein Fahrzeug mit vollelektrischem Antrieb zu kaufen. Auch 80 Prozent der Hybrid-Fahrer waren dem Kauf eines vollelektrischen Fahrzeugs nicht abgeneigt, bei fast einem Viertel (24 Prozent) stand die Anschaffung bereits bevor.
Nicht verwunderlich, dass es trotz allgemein hoher Zufriedenheit auch Wünsche nach Verbesserungen im Bereich E-Mobilität gab. So äußerten sich Stromer-Fahrer auch zu ihren Erfahrungen zu bekannten Vorurteilen gegenüber der Elektromobilität.

Von öffentlichen Lademöglichkeiten sollte es mehr geben, finden viele Elektromobilisten.
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Die Kritikpunkte damals: ▶︎ Die Reichweite ist zu gering (33 Prozent). ▶︎ Es gibt zu wenig Lademöglichkeiten im Umfeld (29 Prozent). ▶︎ Geringe Flexibilität und Planung der Route nach Ladedauer und Infrastruktur (28 Prozent). ▶︎ Das Laden des Autos dauert zu lange (23 Prozent). ▶︎ Das Fahrgefühl ist anders als bei einem Verbrenner (12 Prozent). Aber: Über ein Drittel (33,5 Prozent) bestätigte keine der gängigen Vorurteile oder Defizite.
"Während in den letzten Jahren ökologische Motive im Vordergrund standen, dominieren heute erstmals Fahreigenschaften und Kostenaspekte die Liste der Umstiegsmotive. Neue Kundensegmente haben eine höhere Erwartungshaltung an ein E-Auto." Auch das steht in der UScale-Studie von 2023. Heißt im Umkehrschluss: Die Kunden kommen nicht mehr von alleine. Die Autoindustrie – vor allem die deutsche – muss zusammen mit der Politik liefern. Und endlich bezahlbare Elektroautos samt alltagstauglicher Infrastruktur bereitstellen.
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