Elektroauto/Hybrid: Brand, Gefahr, Feuer, löschen

Geht von Elektro- und Hybridautos eine größere Brandgefahr aus?

Berichte über brennende E-Autos machen die Runde, ob VW Golf GTE oder Renault Zoe. Eine Stadt in Franken verbannt E-Autos aus einer Tiefgarage. Geht von elektrifizierten Autos eine besondere Brandgefahr aus?
Die Elektromobilität findet Schritt für Schritt mehr Nutzer. Nun sorgen einige Fahrzeugbrände für Verunsicherung. Kürzlich brannte ein VW Golf GTE Plug-in-Hybrid in Hessen nach nur wenigen Hundert Kilometer Laufleistung – und in Vorarlberg (Österreich) fing ein Renault Zoe Feuer. Eine Kommune in Franken hat nur wenige Tage später E-Autos aus Tiefgaragen verbannt. Was soll man davon halten?

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Besorgte Autofahrer stellen sich die Frage: Geht von Elektroautos und Hybridmodellen eine besondere Gefahr aus? Die Experten sind sich einig: Grundsätzlich sind elektrifizierte Fahrzeuge nicht mehr oder weniger gefährlich als Verbrenner, weil sie den gleichen Sicherheitsstandards genügen. Nur stellen E-Autos und Hybride die Rettungskräfte bei einem Unfall vor neue Herausforderungen, denn es gibt noch wenige Erfahrungen mit verunfallten und in Brand geratenen E-Autos. Das Fazit der bisherigen Erkenntnisse: Autofahrer können sich im E-Auto ebenso sicher fühlen wie in einem Auto mit konventionellem Antrieb. Tests bestätigen das. AUTO BILD liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Brandgefahr von E-Autos:

Welche Gefahr geht von E-Autos aus?

Wie sicher sind Elektroautos?

Alle Fahrzeuge mit Straßenzulassung müssen ein Höchstmaß an aktiver und passiver Sicherheit für Passagiere und mögliche Unfallgegner bieten. Deshalb sind E-Autos und Hybride mit allem ausgestattet, was die moderne Sicherheitstechnik bietet, vom Airbag bis zur Notfallbremse. Das Batteriepaket wird gut geschützt im Wagenboden eingebaut und dort zusätzlich verstärkt.
Elektroautos sind darüber hinaus eigensicher ausgelegt. Das bedeutet, dass der Stromfluss im Fall eines Defekts unterbrochen wird. Registriert die Sensorik eines E-Autos einen Crash, wird automatisch die Verbindung von der Batterie zu allen anderen Hochvoltkomponenten getrennt, damit keine Spannung mehr anliegt. Daher kann (und sollte) jeder, der Zeuge eines Unfalls mit einem Elektroauto wird, im Rahmen seiner Möglichkeiten Erste Hilfe leisten. Die Angst vor einem Stromschlag ist unbegründet.

Wie schneiden E-Autos bei Crashtests ab?

Sowohl bei den Euro NCAP-Crashtests als auch bei Crash-Versuchen des ADAC haben die meisten aktuellen E-Modelle hervorragend abgeschnitten. Ergebnis: Das höhere Gewicht der E-Autos stellt weder für die Insassen noch für andere Verkehrsteilnehmer ein Risiko dar. In sämtlichen Crashtests reagierte das Abschaltsystem binnen Millisekunden und trennte die Verbindung zwischen der Batterie und den anderen E-Komponenten. Bei der Deformation der Karosserie wurde kein Akkupaket beschädigt. Daher bestand keine Brandgefahr.
Forscher der Universität Göttingen gingen gemeinsam mit der DEKRA noch weiter, als es der Gesetzgeber verlangt. Sie ließen vier E-Autos mit 60 bis 84 km/h seitlich gegen einen Pfahl krachen. Der Unfall ist mit einem Zusammenstoß mit einem Baum auf einer Allee vergleichbar und fordert alle Sicherheitssysteme maximal heraus. Dazu kommt, dass das Akkupaket im Fahrzeugboden bei einem Seitenaufprall besonders empfindlich ist. Dennoch lautete das Ergebnis auch hier: keine Unterschiede zum Verbrenner!

Wie kann ein Fahrzeugbrand beim E-Auto entstehen?

Im Grunde genommen unterscheidet sich das E-Auto auch bei den möglichen Ursachen für einen Brand kaum vom Verbrenner. Rund 15.000 Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb brennen pro Jahr in Deutschland. Technische Fehler beim Einbau von Komponenten, unsachgemäße Wartung und heftige Crashs können zu einem Fahrzeugbrand führen. Dazu kommen Eigenheiten spezieller Baugruppen, etwa der Lithium-Ionen-Akkus. Selbstentzündungen ohne externen Einfluss sind äußerst selten. Ein Elektrofahrzeug kann ohne Stress in der Tiefgarage geparkt und dort geladen werden, eine professionelle Installation der Ladeinfrastruktur vorausgesetzt. Werden dagegen bei einem Aufprall die Schutzmechanismen des Akkus beeinträchtigt und das Batteriepaket verformt, kann das zu großer Hitze führen, die eine oder mehrere Batteriezellen entzündet. Diese Energiefreisetzung findet im Unterschied zum Verbrenner nur im Inneren des Akkus statt.
Eine mögliche Folge ist der sogenannte "Thermal Runaway", das thermische Durchgehen der Batterie. Dabei entflammt eine Zelle die nächste, das Feuer kann in den meisten Fällen nicht einfach gelöscht, sondern die Batterie muss von außen gekühlt werden. Elektrolyt und Grafit verbrennen. Das führt zu hellgrauen und schwarzen Rauchwolken. Wenn der Elektrolyt verdampft, entstehen Stichflammen. Doch die sichtbaren Flammen zu ersticken reicht nicht. Selbst wenn eine Zelle gelöscht ist, kann sie von einer benachbarten wieder neu entzündet werden.
Anders als beim Verbrenner endet die Arbeit der Feuerwehr deshalb bei einem E-Auto nicht, wenn das Fahrzeug gelöscht ist. Der Wagen muss 24 Stunden lang abgestellt und beobachtet werden, um sicherzugehen, dass chemische Reaktionen in der Batterie das Feuer nicht neu entfachen. Aus Sicht der Retter besteht der Vorteil eines Fahrzeugbrands bei einem Elektroauto übrigens darin, dass sich der Brand normalerweise nicht über das Fahrzeug hinaus ausbreitet. Der Grund dafür ist einfach zu verstehen: Es gibt keinen brennbaren Kraftstoff, der auslaufen kann.

Wie wird ein brennendes E-Auto gelöscht?

Der Brand eines Elektroautos oder Hybriden stellt die Feuerwehr vor besondere Herausforderungen. Nicht bei der Bergung von verletzten Personen, die funktioniert wie beim Verbrenner. Es geht um das Feuer selbst. Als Erstes ist die Menge an benötigtem Löschwasser zu nennen. Löschschaum kann zumindest bei einem reinen E-Auto nicht eingesetzt werden. Die auf Verkehrsunfälle spezialisierten Löschfahrzeuge führen meist 1600 bis 2000 Liter Wasser an Bord mit. Das reicht für den Brand eines Verbrenners vollkommen aus. Doch um den brennenden Akku eines Elektroautos zu kühlen, werden oft zwischen 3000 und 11.000 Liter Wasser gebraucht. Dementsprechend mehr Fahrzeuge und Personal müssen in den Einsatz.
Die Batterien sind wasserdicht und thermisch geschützt im Wagenboden untergebracht. Viele Feuerwehren verfügen über eine Löschlanze, die ins Batteriepaket gerammt werden kann, um den Brand dort zu bekämpfen. Doch das ist nicht flächendeckend der Fall. Die meisten Lithium-Ionen-Akku-Zellen sind aber mit sogenannten Berstscheiben ausgestattet. Bei erhöhtem Überdruck in der Zelle öffnet sich eine Druckentlastungsöffnung in der Außenhaut des Akkupakets. Diese kann die Feuerwehr zum Bekämpfen des Feuers nutzen. Die Batterie eines E-Autos enthält hochgiftige Substanzen, die auf keinen Fall ihren Weg ins Grundwasser finden dürfen. Auch das müssen die Einsatzkräfte sicherstellen.
Nicht zuletzt muss die Feuerwehr im korrekten Umgang mit einem brennenden E-Auto geschult sein. Diese Schulungen finden bundesweit statt. Doch nicht alle freiwilligen Wehren sind auf dem gleichen Wissensstand wie die Kollegen von der Berufsfeuerwehr in der Metropole. Immerhin: Tests von Schweizer Forschern haben ergeben, dass Belüftungssysteme in Tunneln mit der Rauchentwicklung eines E-Auto-Brands nicht überfordert sind.

Sind E-Autos schwieriger zu löschen als Verbrenner?

Wenn man nach dem Brandrisiko moderner Fahrzeuge fragt, sehen Feuerwehren das Problem nicht in der Antriebsart. E-Autos brennen nur anders als Verbrenner. Doch ob sich eine Hochleistungsbatterie oder viele Liter Kraftstoff an Bord befinden, macht für Feuerwehrmitarbeiter keinen großen Unterschied. Die gespeicherte Energiemenge ähnelt sich. Die zahllosen verbauten Teile aus Kunststoff haben dagegen die sogenannte Brandlast in den vergangenen 30 bis 40 Jahren stark in die Höhe getrieben. Mehr Kunststoff führt bei einem Fahrzeugbrand zu mehr Freisetzung von Hitze und zu mehr Rauchbildung. Diese Rauchgase sind giftig. Daher bekämpft die Feuerwehr jeden Fahrzeugbrand mit Atemschutz.

Wie sollte man tun, wenn ein E-Auto brennt?

Übermäßige Sorgen wegen brennender Elektroautos sind unbegründet. Grundsätzlich ist auch Pannenhilfe möglich. Alle E-Fahrzeuge verfügen über Sicherungen, die – wie erwähnt – bei einem Defekt die Hochvolt-Systeme trennen. Wer mit einem liegen gebliebenen Elektroauto konfrontiert ist, muss nur dringend die Finger von allen orangefarbenen Kabeln lassen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, einen Gelben Engel zur Hilfe zu rufen: Die Pannenhelfer des ADAC sind im Umgang mit E-Autos geschult und wissen Rat. Auch vor Erster Hilfe sollte niemand zurückschrecken. Wer seine eigene Sicherheit im Auge behält, der kann einem Elektroautofahrer genauso helfen wie dem Fahrer eines verunfallten Fahrzeugs mit Verbrenner. Doch gilt es im Brandfall unbedingt zu beachten: Finger weg von Handlöschern mit Löschwasser! Der nötige Sicherheitsabstand von einem bis fünf Metern zum Auto kann nicht eingehalten werden.
E-Auto-Fahrer können einen sich möglicherweise ankündigenden Brand am Geruch, an knatternden Geräuschen, an Rauchentwicklung aus der Batterie, an einer merklichen Temperaturerhöhung des Batteriegehäuses über einen langen Zeitraum und an Funkenflug sowie Stichflammen erkennen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, den Rettungskräften unter die Arme zu greifen, indem sie im Fahrzeug eine Rettungskarte mitführen. Darin wird aufgelistet, welche Systeme sich an Bord befinden und wie diese manuell am leichtesten auszuschalten sind. Außerdem wird klar, wo die Retter ihre Schneidewerkzeuge am besten ansetzen sollten, um eine eingeklemmte Person zu befreien. Der beste Platz zum Aufbewahren dieser Karte ist hinter der Sonnenblende. Dort schaut die Feuerwehr zuerst nach.
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Fotos: Bernd Hofmeister

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