Ein Auf und Ab wie im wahren Leben: Nachdem die Strompreise monatelang nur aufwärts schossen, sind sie zuletzt leicht gefallen. Laut dem Vergleichsportal Verivox sank der Durchschnittspreis für die Kilowattstunde Haushaltsstrom von 53,83 Cent im Oktober 2022 auf nun 48,16 Cent (Stand: Anfang November).

Top 10: Stromverbrauch der E-Autos im AUTO BILD-Test

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Dacia Spring (Testverbrauch: 15,8 kWh)
2.
Renault Twingo Electric (Testverbrauch: 16,4 kWh)
3.
Hyundai Kona Elektro (Testverbrauch: 18,8 kWh)
3.
Fiat 500e (Testverbrauch: 18,8 kWh)
5.
Audi Q4 e-tron (Testverbrauch: 21,1 kWh)
6.
VW ID.3 Pro S (Testverbrauch: 21,3 kWh)
7.
Mercedes EQB 300 4Matic (Testverbrauch: 21,8 kWh)
8.
Skoda Enyaq iV 80 (Testverbrauch: 21,9 kWh)
8.
VW ID.4 Pro (Testverbrauch: 21,9 kWh)
8.
Opel Mokka-e (Testverbrauch: 21,9 kWh)
Zeigt sich hier schon die Auswirkung der angekündigten Strompreisbremse? Das bleibt abzuwarten. Immerhin: Wer mit einem E-Auto liebäugelt oder schon eins fährt, der kann sich angesichts des jüngsten Strompreis-Verfalls erst mal wieder zurücklehnen; preislich liegt der Fahrstrom weiterhin leicht unter Benzin und Diesel. Die gefürchtete Preisparität ist – zumindest beim Haushaltsstrom – erst einmal kein Thema mehr.

Schnellladen am öffentlichen Ladenetz ist viel teurer

Allerdings: Beim HPC-Schnellladen sind Elektroautos inzwischen bereits teurer als Verbrenner; die Stromkosten für 100 Kilometer können im Fall des VW ID.3 Pro S beim Laden am Tesla Supercharger schon mal sieben Euro höher liegen. Die Höhe der Betriebskosten eines E-Autos ist also auch von der Wahl des Ladepunkts abhängig.
AUTO BILD hat die Energiekosten für einige populäre Automodelle durchgerechnet – sowohl fürs Laden mit Haushaltsstrom als auch an der teuren Schnellladesäule. Zum Vergleich gibt's noch ein Kostenbeispiel aus der Verbrenner-Welt. Aktuell (2. November) notiert ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt bei 1,9149 Euro, der Liter Diesel bei 2,1140 Euro.

So viel kostet Strom für 100 km am Beispiel des VW ID.3 Pro S

Wie viel Geld spart man für Energie, wenn man vom Verbrenner aufs Elektroauto umsteigt? Das hängt natürlich vom Verbrauch des Altfahrzeugs ab. Zum Vergleich: Ein VW Golf 1.5 TSI mit 150 PS, gebaut seit 2019, ist kein besonders großes Auto, aber für die meisten Pendler voll ausreichend. Im Schnitt verbraucht der Vierzylinder-Benziner im Alltag etwa 6,5 Liter auf 100 km. Beim aktuellen Spritpreis wären das 12,45 Euro.
VW ID.3 PRO S
Der "Pro S" ist die VW-ID.3-Version mit dem größten Akku (32 kWh) und dem stärksten Motor. Er leistet bis zu 204 PS.
Ein nahezu gleich großer Volkswagen ID.3 Pro S mit 204 PS verbraucht im aktuellen AUTO BILD-Test etwa 21,3 Kilowattstunden auf 100 km. Legt man den oben genannten Durchschnitts-Strompreis vom November zugrunde, kostet diese Distanz im kompakten Elektro-VW rund 10,26 Euro. Damit liegt der Abstand zum Verbrenner bei deutlich unter 20 Prozent.
Beim High-Power-Charger Ionity mit 350 kW kosten die 100 km im ID.3 aber schon 16,83 Euro (spontanes Laden ohne Monatsgebühr), Shell berechnet für den schnellen Strom-Snack 13,98 Euro, bei Allego sind es 15,98 Euro, bei Tesla sogar 17,25 Euro. HPC-Schnellladen ist vielerorts also bereits merklich teurer als das Tanken eines vergleichbaren Benziners.

Wer unterwegs lädt, zahlt vielerorts schon mehr als für einen Benziner

Wer 100 Kilometer im Dacia Spring, einem der aktuell sparsamsten E-Autos, zurücklegt, der zahlt 7,77 Euro. Der Dacia Spring ist mit einem Preis ab 20.490 Euro (abzüglich 9000 Euro Förderprämie) einer der günstigsten vollelektrischen Pkw auf dem Markt.
Dacia Spring Electric 45
Der Dacia Spring ist eines der günstigsten E-Autos auf dem Markt – und zugleich eines der sparsamsten und lahmsten.
Die Stromkosten stellen natürlich nur einen Teil der gesamten Autokosten dar: Auch Kaufpreis, Steuern, Versicherungsprämien, Parkgebühren und Instandhaltungskosten gehören zu den Aufwendungen, die Autofahrer tragen müssen.
Teurer wird es auch für den Dacia, wenn man keine private Lademöglichkeit hat: Wer mit dem Dacia Strom für 100 km unterwegs an einer Schnellladesäule zapft, zahlt zum Beispiel bei EnBW bis zu 8,69 Euro, beim HPC-Ladenetzwerk Ionity sogar 12,48 Euro.

So viel kostet der Strom für 100 km im E-Auto

1. Dacia Spring: 7,77 Euro/100 km

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Der Dacia Spring gehört zu den eher genügsamen wie sparsamen E-Autos. Nach 20 Sekunden erreicht er Tempo 100, sein Maximaltempo ist bei 125 km/h erreicht. Der Akku hat eine Kapazität von 27,4 kWh, das ist auch eher übersichtlich. Aber die Größe korrespondiert mit dem Energieverbrauch: AUTO BILD hat einen Alltagskonsum von 15,8 Kilowattstunden auf 100 km gemessen. Das ergibt bei einem Strompreis von rund 48,16 Cent (Verivox-Durchschnittspreis im August 2022) reine Fahrtkosten von 7,77 Euro.

2. Renault Twingo Electric: 8,06 Euro/100 km

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Noch ein günstiger Kleinwagen mit Elektroantrieb: Der Renault Twingo Electric hat mit 22 kWh einen noch deutlich kleineren Akku. Die Elektroversion ist wie das Verbrenner-Vorbild mit Heckantrieb ausgerüstet. Der E-Motor ermöglicht immerhin Tempo 138 km/h. Der Laderaum fasst 219 Liter, bei umgelegter Rückbank sind es 980 Liter. Für das Auto spricht sein Kaufpreis (ab 21.790 Euro, abzüglich Förderprämie) sowie der Verbrauch: AUTO BILD ermittelte auf der Testrunde 16,4 Kilowattstunden auf 100 km. Bei einem Strompreis von 48,16 Cent ergibt das Kosten in Höhe von 8,06 Euro.

3. Hyundai Kona Elektro: 9,24 Euro/100 km

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Eine Nummer größer ist das Kompakt-SUV Hyundai Kona Elektro: Mit 4,16 Meter Länge hat der Kona beinahe ID.3-Format. Den Koreaner gibt es in zwei Versionen, die kleine mit 136 PS und 39,2-kWh-Akku und die große mit 204 PS sowie 64-kWh-Energiespeicher. AUTO BILD prüft den großen Elektro-Kona (ab 34.400 Euro) im Dauertest und hat auch den Alltagsverbrauch errechnet: Demnach verbrät der Kona Elektro im Schnitt 18,8 kW Strom. Somit kosten 100 km aktuell rund 9,24 Euro.

3. Fiat 500 Elektro: 9,24 Euro/100 km

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Der Urvater des Cinquecento ist eine Legende: 1957 war der winzige Fiat für viele Italiener das erste Auto. In 18 Jahren wurden fast vier Millionen Stück gebaut. Die fünfte Generation (gestartet 2020) fährt als Fiat 500 Elektro nun rein elektrisch: 3,63 Meter lang und entweder 95 PS oder 118 PS stark. Der große 500 hat eine 37 kWh große Batterie, die vom kleinen speichert bis zu 21,3 kWh Energie. Im Alltag kommt der große, der bis 150 km/h schnell fährt, auf einen Verbrauch von 18,8 kWh. Damit fallen – ebenso wie beim Kona – Stromkosten in Höhe von 9,24 Euro je 100 km an. In der Hitliste der E-Autos mit den niedrigsten Fahrtkosten teilen sie sich also den dritten Platz.

5. Audi Q4 e-tron: 10,37 Euro/100 km

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Zwei Nummern größer: Der Audi Q4 e-tron ist – zusammen mit seinen Halbbrüdern VW ID.4 und Skoda Enyaq – ein Kompakt-SUV, das auf der Elektro-Plattform des Volkswagen-Konzerns aufbaut. Mit 4,58 Meter Länge ist er ziemlich geräumig, aber das Format hat natürlich seinen Preis: Bereits leer wiegt der Q4 um die zwei Tonnen. Davon ist rund ein Viertel bereits für den Akku reserviert. Die Leistungs-Bandbreite spannt sich zwischen 170 und 299 PS. AUTO BILD testete die Topversion 50 e-tron quattro (ab 55.600 Euro), die bis zu 180 km/h schnell fährt. Dabei wurde ein Durchschnittsverbrauch von 21,1 kWh ermittelt. Ergibt Energiekosten von 10,37 Euro auf 100 km.

6. VW ID.3 Pro S: 10,47 Euro/100 km

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Der kompakte VW ID.3 ist zwei Zentimeter kürzer als der Golf und stellt auch in anderer Hinsicht einen würdigen Nachfolger des Bestsellers dar: Im Kofferraum hat er mit 385 Liter sogar noch fünf Liter mehr Platz als der Golf, bei umgeklappter Rückbank sind es 1267 Liter – dann sogar 30 Liter mehr als im Golf. Die Ausführung Pro S kostet ab 42.460 Euro und hat 204 PS, das Tempo ist bei 160 km/h gedeckelt. Er beschleunigt in 7,9 Sekunden von 0 auf 100. Im Alltag verbraucht der Pro S rund 21,3 Kilowattstunden. Das ergibt Kosten von 10,47 Euro auf 100 km.

7. Skoda Enyaq iV 80: 10,77 Euro/100 km

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Kein Wunder, dass der Skoda Enyaq ähnlich viel Strom verbraucht wie der Q4: Das Kompakt-SUV ist ebenfalls ein Ableger des Elektro-Baukastens. Er ist mit 4,64 Meter Länge deutlich größer, und das merkt man auch im Kofferraum: 585 Liter passen auf Anhieb rein, bei umgeklappter Rückbank sogar 1710 Liter. Inzwischen bietet die tschechische VW-Tochter fünf Versionen an, vom günstigsten iV 50 mit 148 PS (ab 33.800 Euro) bis zum sportlichen RS mit 299 PS (so wie der Q4). AUTO BILD hat das 204 PS starke Modell iV 80 (ab 43.950 Euro) mit dem größten Akku (77 kWh) getestet; dabei kam ein Verbrauch von 21,9 kWh heraus. Ergibt pro 100 km Stromkosten von 10,77 Euro.

7. VW ID.4 Pro: 10,77 Euro/100 km

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Der Dritte im Bunde: Das elektrische Kompakt-SUV VW ID.4 ist eng verwandt mit dem Skoda Enyaq und dem Audi Q4 e-tron, daher ist der Durchschnittsverbrauch auch identisch. Die mittlere Version "Pro" hat 174 PS und Heckantrieb. Die Energie für bis zu 160 km/h liefert der große Akku mit 77 kWh Speicherkapazität. Den Pro gibt es ab 44.915 Euro. Im Test wurde ein durchschnittlicher Verbrauchswert von 21,9 kWh ermittelt, das führt ebenfalls zu Energiekosten von 10,77 Euro auf 100 km.

7. Opel Mokka-e: 10,77 Euro/100 km

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Auch der Opel Mokka-e kommt im Alltag auf einen Verbrauch von 21,9 kWh. Damit ist das kleine Elektro-SUV etwas weniger effizient, denn im Vergleich zu VW ID.4 und Skoda Enyaq bietet der Opel gut einen halben Meter weniger Platz an Bord. Es kommt auf ein Leergewicht von rund 1,6 Tonnen, davon fallen rund 300 Kilo auf den Lithium-Ionen-Akku mit 50 kWh. Der Mokka-e beschleunigt in neun Sekunden von 0 auf 100 km/h; Schluss ist bei Tempo 150. Kaufpreis: 34.110 Euro. Die reinen Stromkosten für 100 km Fahrt mit dem Mokka-e liegen ebenfalls bei 10,77 Euro.
Im absoluten Kostenvergleich zwischen E-Auto und Verbrenner spielt zum Beispiel der relativ hohe Kaufpreis von Elektroautos eine Rolle. Aber zugleich ist zu berücksichtigen, dass der Wegfall vieler Verschleißteile wie Kupplung, Auspuff, Kraftstofffilter etc. die Wartungskosten von E-Autos relativ niedrig hält.
Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox vom Frühjahr 2022 waren E-Autos in Bezug auf die Energiekosten immerhin um bis zu 60 Prozent günstiger als Verbrenner. Dieser Vorsprung dürfte sich inzwischen allerdings deutlich verkürzt haben.

Es gibt mehrere Ursachen für die gestiegenen Energiekosten

An der Leipziger Strombörse sprangen die Preise Anfang Juli 2022 auf ein Rekordhoch von 319 Euro pro Megawattstunde – eine Steigerung von mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Betrug der durchschnittliche Verbraucherpreis für eine Kilowattstunde Strom im vergangenen Jahr 2021 noch 32 Cent, waren es im Juli 2022 laut offiziellen Zahlen schon 37,30 Cent; Grundlage ist die Berechnung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Allerdings ist auch dieser Wert bereits historisch. Im August ermittelte Verivox einen Durchschnittspreis für Haushaltsstrom in Höhe von 41,98 Cent.
Eine der wichtigsten Ursachen für die Teuerung ist natürlich der Krieg in der Ukraine: Viele Staaten und Energieversorger kaufen seit dem Frühjahr kein russisches Erdöl, das führt zu Knappheit, allgemein gestiegenen Großhandelspreisen und knappen Raffinerie-Kapazitäten. Auch die Post-Corona-Situation trug einen Teil zur Preissteigerung bei, weil in vielen Region der Welt die Nachfrage heftig stieg.
Spritpreise auf Spritpreistafel: Der Tankrabatt macht Benzin und Diesel deutlich billiger
Mitte März 2022 erreichten die Spritpreise Rekordhöhen. Diesel kostete bis zu 2,37 Euro pro Liter – aktuell (August) kann man zur richtigen Tageszeit auch für 1,98 tanken.
Zuletzt brachte die Trockenheit die Binnenschifffahrt in Schwierigkeiten: Flüsse führten zu wenig Wasser, sodass Treibstoff vor allem in Süddeutschland nicht zum Ziel gelangte. Der reduzierte Wasserstand auf den großen Flüssen zwang außerdem Frankreich dazu, die Leistung einer Reihe von Atomkraftwerken zu reduzieren. Womit wir wieder beim Strompreis wären. 

Ist in Zukunft mit sinkenden Strompreisen zu rechnen?

Dass die Strompreise in Zukunft weiter steigen werden, erwartet auch der BDEW: "Natürlich ist der Krieg in der Ukraine, insbesondere dann, wenn hierdurch weniger Gas aus Russland geliefert würde, ein Faktor, der die Energiepreise beeinflusst und erhöhen dürfte." Angesichts der dynamischen Lage fordert der Verband, auf Energiekosten nicht mehr den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, sondern den zu sieben Prozent zu berechnen. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Jahresverbrauch entspräche das einer Entlastung von bis zu 516 Euro. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte bereits angekündigt, die Mehrwertsteuer auf Gas befristet zu senken.
Grundsätzlich ist beim Strompreis die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern geringer, da nur jeweils rund zehn Prozent vom Strommix in Deutschland anteilig aus Erdgas und Steinkohle sowie 20 Prozent aus Braunkohle stammen. Rund 45 Prozent entstehen bereits aus erneuerbaren Energien, etwa erzeugt von Solar- und Windkraftanlagen.
Wie Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) mehrfach bekräftigt hat, zielt die Bundesregierung darauf ab, Deutschland zum Jahresende komplett unabhängig von russischen Energielieferungen zu machen.

Von

Roland Wildberg