Das Warten hat ein Ende! "Erstmals sind ausreichend viele Elektroautos bei den TÜV-Prüfstellen vorgefahren, um eine vorläufige Bewertung der technischen Sicherheit der Fahrzeuge vornehmen zu können", sagt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands.
Unter die Lupe genommen wurden die E-Modelle BMW i3, Renault Zoe, Smart fortwo Electric Drive (heute EQ fortwo) und Tesla Model S. Die erste Sonderauswertung der Hauptuntersuchungs-Ergebnisse (HU) zeigt: Elektroautos schneiden nach drei Jahren nur durchwachsen ab. Besondere Schwachstellen: Bremsen, Licht, Querlenker und Achsaufhängung.

E-Autos beim TÜV

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Smart EQ fortwo (ehem. Electric Drive); TÜV-Mängelquote 3,5
UVP ab 21.940 EUR; Ersparnis bis zu 12.051 ,00 EUR
2.
BMW i3; TÜV-Mängelquote 4,7
UVP ab 39.000 EUR; Ersparnis bis zu 15.747 ,00 EUR
3.
Renault Zoe; TÜV-Mängelquote 5,7
UVP ab 29.990 EUR; Ersparnis bis zu 12.910 ,00 EUR
4.
Tesla Model S; TÜV-Mängelquote 10,7
UVP ab 101.990 ,00 EUR

Insgesamt führt der TÜV-Report, Deutschlands wichtigster Gebrauchtwagenratgeber, 128 Fahrzeugmodelle im Ranking der zwei bis drei Jahre alten Pkw auf. (Überblick: die Gewinner und Verlierer beim TÜV) Aktuell sind die vier Elektro-Modelle noch nicht aufgelistet, da sie erst seit einigen Jahren in nennenswerten Stückzahlen in Deutschland verkauft werden.
Der Anteil der Pkw mit "erheblichen Mängeln" bei den zwei bis drei Jahre alten Fahrzeugen liegt bei 4,7 Prozent. Heißt: 47 von 1000 Autos fallen bei der HU durch und müssen nach der Reparatur noch einmal vorgeführt werden.

Smart EQ fortwo: der Kleinste beim TÜV ganz groß

Bei den vier betrachteten Elektrofahrzeugen schnitt der Smart fortwo Electric Drive mit einer Mängelquote von 3,5 Prozent am besten ab. Das würde ihm im TÜV-Report einen Platz im vorderen Drittel sichern.
Smart Fortwo ed
Die erste Generation des Smart fortwo Electric Drive (Bild) war noch im alten Gewand unterwegs. Dann gab's ein neues Design, später auch einen neuen Namen: Heute ist der elektrische Kleinstwagen als EQ fortwo auf dem Markt.

BMW i3: glatter Durchschnitt in der TÜV-Bilanz

Auf Rang zwei der ausgewerteten E-Autos fährt der BMW i3. Mit einer 4,7-prozentigen Durchfallquote trifft er genau den Mängelschnitt – auch seine Platzierung wäre damit im Mittelfeld.
Er fällt durch defekte Abblendlichter und defekte Bremsscheiben negativ auf. "Probleme mit den Bremskomponenten sind typisch für E-Fahrzeuge, da sie im Vergleich zu Verbrennern deutlich seltener benutzt werden und deshalb häufiger korrodieren", sagt Bühler.
BMW i3
Auch der BMW i3 taucht in der Auswertung auf und trifft genau den Mängelschnitt im TÜV-Report.
Gut zu wissen: Die Bremse bei E-Autos kommt weniger zum Einsatz, weil die Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation) das Fahrzeug automatisch verzögert. Beim sogenannten One-Pedal-Drive lässt sich das Fahrzeug sogar ganz ohne Bremse zum Stillstand bringen, wenn man nur das Gaspedal loslässt. Deshalb rät Bühler: "Besitzer von E-Autos sollten die Bremsen möglichst bei jeder Fahrt betätigen und diese regelmäßig warten."

Renault Zoe: Probleme mit den Scheinwerfern

Das beliebteste E-Auto der Deutschen ist der Renault Zoe. Er landet im Vergleich mit einem Mängelschnitt von 5,7 Prozent im letzten Drittel. Auch beim Franzosen werden häufig die Scheinwerfer – defekt oder schlecht eingestellt – zum Durchfallgrund. Überdurchschnittlich häufig fällt der Zoe allerdings durch Mängel an den Achsaufhängungen auf.
Renault Zoe R135 Z.E. 50 Experience
Deutschlands E-Auto-Liebling Renault Zoe landet wegen Scheinwerfer-Problemen nur im hinteren Drittel.

Tesla Model S: nicht nur bei den E-Autos weit hinten

Am schlechtesten schnitt im Vierer-E-Vergleich der Tesla Model S ab. Auch hier spielt das Scheinwerfer-Thema wieder eine Rolle. Neben Mängeln am Nebellicht und Abblendlicht machen beim Models S aber vor allem die Querlenker Probleme und sorgen für eine riesige Durchfallquote: 10,7 Prozent! Heißt: Rund jeder zehnte Tesla Model S fällt bei der ersten Hauptuntersuchung durch.
Tesla Model S Facelift
Schlechter als der Tesla Model S schneiden beim TÜV nur zwei Dacia-Modelle ab.
Der Tesla landet damit im 128-Verbrenner-Ranking nicht nur im letzten Drittel, sondern auch auf dem drittletzten Platz. Schlechter schneiden nur noch der Dacia Duster und Dacia Logan ab.

Von

Jan-Menno Gebhardt