Motorradfahren: Ratgeber zu den Kosten

So viel kostet Motorradfahren tatsächlich

Im Winter träumen viele vom Motorradfahren. Aber was kostet der Spaß eigentlich? AUTO BILD hat nachgerechnet: Anschaffung, Unterhalt, Wartung, Führerschein, Kleidung – da kommt einiges zusammen.
Der Januar ist der richtige Monat, um vom Motorradfahren zu träumen. Vor allem, wenn man noch kein aktiver Biker ist. Bis zum Beginn der Saison im April bleibt genug Zeit, alles Notwendige zu erledigen: Motorrad anschaffen, versichern und anmelden, Schutzkleidung kaufen. Wer noch keinen Führerschein besitzt, kann mit der Planung beginnen und zum Beispiel zum Frühlingsbeginn mit den praktischen Fahrstunden starten, vorausgesetzt, die Pandemie-Vorschriften lassen es zu.
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Aber was kostet das Motorradfahren eigentlich? Welche Gesamtkosten kommen da auf einem zu? AUTO BILD hat anhand von zwei Lieblingsbikes der User nachgerechnet:

Neu oder gebraucht? Eine Geschmacks- und Budgetfrage

Spitze, aber kein Schnäppchen. Die BMW R 1250 GS kostet aktuell mindestens 16.580 Euro.

©BMW Group

Bei der Anschaffung des Motorrads hat der angehende Biker die Wahl, neu oder gebraucht zu kaufen. Die Entscheidung hängt genauso vom persönlichen Geschmack wie vom Budget ab. Wer sich für ein neues Zweirad entscheidet, kauft mit Hersteller-Garantie und daher sorgenfrei, zahlt aber mehr. Die Lieblingsmaschine der deutschen Motorradfahrer, die BMW GS, kostet aktuell mindestens 16.580 Euro. Gebrauchte Exemplare sind ab 3500 Euro zu haben. Die kann man guten Gewissens aber nur Schraubern ans Herz legen. Wer eine gute R 1200 GS aus Vorbesitz haben will, sollte unbedingt auf ein lückenlos gestempeltes Scheckheft achten und wenigstens 9000 Euro einplanen. Einen Profi die Maschine vor dem Kauf prüfen zu lassen, empfiehlt sich.
Auch eine gute Harley-Davidson gibt es nicht für kleines Geld, schon gar nicht die großen Modelle. Für eine brauchbare Sportster wechseln mindestens 6000 Euro den Besitzer. Dann bleiben aber sicher Reparaturen, die der neue Besitzer erledigen muss. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt mindestens 9000 Euro an und sieht zu, dass alle Umbauten eingetragen sind. Neu gibt es die kleinste Harley seit 2021 wegen Euro 5 nicht mehr.

Das kosten Steuern und Versicherung fürs Traum-Bike

So eine Harley-Davidson Sportster mit 1200 Kubik Hubraum lässt sich erfreulich günstig versichern.

©Lars Hänsch-Petersen / Auto Bild

Ein kleiner Posten auf der Rechnung ist die Kfz-Steuer. Laut Bundesfinanzministerium werden seit 2021 für eine BMW R 1200 GS Baujahr 2018 86 Euro Steuer für's Jahr fällig. Basis für die Berechnung sind die 1170 Kubikzentimeter Hubraum der BMW. Mit einem Saisonkennzeichen wird es weniger. Der Eigner einer 1200er-Sportster wird vom Fiskus mehr zur Kasse gebeten. Die 1202 Kubikzentimeter des luftgekühlten Zweizylinders rechnen sich in 90 Euro Kfz-Steuer fürs Jahr um.
Die Versicherung schlägt heftiger zu Buche, besonders bei der BMW. AUTO BILD rechnet der bei Versicherungsbeiträgen mit einer 100-Prozent-Einstufung, sprich der Schadensfreiheitsklasse eins. Ist der neue Eigner der für 9000 Euro gekauften BMW 1975 geboren, hat 2010 seinen Motorradführerschein gemacht, arbeitet als Angestellter und lebt im Hamburger Zentrum, muss er (oder sie) bei 6000 Kilometern Laufleistung und 150 Euro Selbstbeteiligung für die Teilkasko mindestens 348 Euro jährlich an die Versicherung überweisen, ein Stellplatz in einer Tiefgarage vorausgesetzt. Die Harley-Davidson Sportster kostet weniger als die Hälfte. Unter den gleichen Voraussetzungen kann das US-Bike ab 144 Euro pro Jahr versichert werden (Stand 12.01.2021).

Wartung beim Vertragshändler? Oder selbst machen?

Je moderner das Motorrad, desto komplizierter ist die Technik. Einfaches Schrauben reicht da oft nicht.

©Toni Bader / AUTO BILD

Im Unterschied zum Kauf haben Biker bei der Wartung drei Möglichkeiten zur Auswahl. Wer Schrauben kann, wechselt Flüssigkeiten, Kerzen und Filter selbst und traut sich wahrscheinlich auch an komplexere Aufgaben heran. Wer nicht über die nötige Erfahrung verfügt, sollte sich an Profis wenden. Freie Werkstätten kommen genauso in Frage wie Vertragshändler. Entscheidend sind Können und spezifisches Wissen der Mechaniker. Je moderner das Bike, desto komplizierter ist tendenziell die an Bord verbaute Technik. Vertragswerkstätten profitieren an dieser Stelle davon, dass sie Zugriff auf alle Informationen des Herstellers zum Modell haben. Die Kosten hängen stark von der Anzahl der für einen Auftrag zu veranschlagenden Arbeitsstunden und von der Region ab. Die Preise für eine Stunde Arbeit bewegen sich zwischen 60 und 140 Euro, oft ist es in der Metropole teurer als auf dem Land. Dazu ist wissenswert, dass Motorräder kürzere Inspektionsintervalle haben als Pkw. Die BMW und die Harley bewegen sich langfristig bei den Kosten, grob geschätzt, auf Augenhöhe. In fünf Jahren sollten in den Service jeweils zirka 1500 Euro investiert werden.

Diese Schutzkleidung ist nötig für Biker

Die Schutzkleidung ist sozusagen die Knautschzone des Bikers. An dieser Stelle auf keinen Fall sparen!

©Getty

Besonders wichtig für die Sicherheit beim Motorradfahren ist die richtige Schutzkleidung. Daran sollte der angehende Biker auf keinen Fall sparen. Schließlich stellen die Klamotten so etwas wie seine Knautschzone dar. Der Helm ist vorgeschrieben. Dazu gehören sinnvollerweise eine abriebfeste Jacke mit Protektoren an Ellbogen, Schultern und am Rücken, Handschuhe mit Knöchelschutz, ein Nierengurt und eine ebenso abriebfeste Hose mit Protektoren an Hüfte und Knien oder Vorrichtungen, um Protektoren nachzurüsten. Hinzu kommen Motorradschuhe mit Knöchelschutz oder wahlweise Stiefel. Schals, Funktionsunterwäsche oder verschiedene Garnituren Kleidung für unterschiedliche Temperaturen hängen von den persönlichen Bedürfnissen beziehungsweise Vorlieben ab.
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*Preise: Stand 12.01.2021
Insgesamt sollte für die wichtigste Schutzkleidung ein Budget von 1000 bis 1500 Euro zur Verfügung stehen. Dafür bekommt man einen guten Helm von einem namhaften Hersteller, eine Jacke, Handschuhe und einen Nierengurt sowie eine Hose und Schuhwerk. Hersteller mit bekannten Namen (s. Tabelle) stehen für Qualität. Selbstverständlich spricht nichts dagegen, bestimmte Teile der ersten Ausrüstung gebraucht zu kaufen und so Geld zu sparen. Jedoch sollte der Vorbesitzer deren Geschichte belegen können. Ein wichtiger AUTO BILD-TIPP: Für den Helm gilt das nicht! Der sollte neu sein.

Kosten für den Motorrad-Führerschein

Wer den Motorradführerschein machen will, muss mit Kosten im Rahmen von 1250 bis 1550 Euro rechnen. Exakt festlegen lässt sich diese Summe nur sehr schwer, weil viel von Faktoren wie dem Bundesland und dem Lernfortschritt und Vorwissen des Schülers abhängt – und auch davon, wann er seinen Autoführerschein gemacht hat.
Lars Hänsch-Petersen

Lars Hänsch-Petersen

Fazit

Die Rechnung zeigt: Jeder, der von einer guten gebrauchten GS oder einer schönen Sporty träumt und sich zusätzlich einkleiden will, sollte zum Einstieg rund 10.000 Euro zur Verfügung haben. Vorausgesetzt, der Motorradführerschein ist bereits vorhanden. Jährliche Folgekosten hängen sehr von individuellen Faktoren wie der Laufleistung und dem Stellplatz ab und variieren daher stark. 

Fotos: BMW Group

Stichworte:

Motorrad

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