Die elektrische Reichweite spielt immer dann eine wichtige Rolle, wenn jemand mit seinem Elektroauto lange Strecken am Stück hinter sich bringen will. Aber ist das alles? Ein riesiger Akku, aus dem man viele Kilometer herausholen kann, nutzt wenig, wenn das Auto lange an der Ladestation stehen muss. Wie steht es also um die Ladegeschwindigkeit? Wie viele Kilometer können aktuelle E-Autos in welcher Zeit "nachtanken"?

E-Autos mit der größten Reichweite

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Mercedes EQS (WLTP-Reichweite bis zu 785 km)
UVP ab 107.327 EUR, Ersparnis: bis zu 6235  EUR
2.
Tesla Model S Long Range (WLTP-Reichweite bis zu 663 km)
UVP ab 101.990,00 EUR
3.
BMW iX (WLTP-Reichweite bis zu 630 km)
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
4.
Ford Mustang Mach-E (WLTP-Reichweite bis zu 610 km)
UVP ab 56.500 EUR, Ersparnis: bis zu 10.291  EUR
5.
BMW i4 (WLTP-Reichweite bis zu 591 km)
UVP ab 59.200 EUR, Ersparnis: bis zu 12.090  EUR
Dazu kommt: Die Hersteller geben die Reichweiten ihrer Fahrzeuge nach dem WLTP-Zyklus an. Besser als NEFZ, aber der Test findet immer noch unter Laborbedingungen statt. AUTO BILD testet den Energieverbrauch auf der Straße, unabhängig vom Antriebskonzept. Aus dem Testverbrauch errechnet sich die realistische Testreichweite, also die Anzahl an Kilometern, die wirklich im Tank bzw. im Akku stecken.

Wie groß ist die echte Reichweite von E-Autos?

Grund genug, die unterschiedlichen Zahlen miteinander zu vergleichen. Hier kommen fünf aktuelle Autos mit batterieelektrischem Antrieb, die laut Herstellerangaben ansehnliche Reichweiten vorzuweisen haben. Wir zeigen, wie viele Kilometer Reichweite im Test bei AUTO BILD übrig geblieben sind. Und wir zeigen, welche Ladegeschwindigkeit der ADAC für diese fünf Autos jüngst gemessen hat.

1. Audi e-tron GT quattro

Der sportliche E-Auto führt gleich mehrere Ranglisten an. So steht er ganz weit oben bei der Autobahn-Reichweite: 367 km hat AUTO BILD auf der Verbrauchsrunde für E-Autos ermittelt. Der Audi e-tron GT quattro schafft den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden, auch die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h setzt ihn deutlich von vielen anderen E-Autos ab.
Beim Ladevorgang ist der e-tron GT quattro ebenfalls ziemlich einsame Spitze: In 30 Minuten pumpt er Strom für 325 km in den Akku. Das entspricht einem Füllgrad von 87 Prozent. In 10 Minuten können es bereit 184 km sein, in 20 Minuten 296 km. Nur: Auch beim Preis ist der Bruder des Porsche Taycan ganz vorn, die Grundversion kostet 101.600 Euro.

2. Audi e-tron 55 quattro

Kandidat Nummer zwei ist der Audi e-tron 55 quattro. Der Ringträger ist – vereinfacht gesagt – ein elektrischer Q7. 4,90 Meter Länge und 1,62 Meter Höhe zeigen, dass es sich um alles andere als ein kleines Auto handelt.
AUDI e-tron Sportback 55 Quattro
Der Audi e-tron 55 quattro ist – zugespitzt ausgedrückt – ein elektrischer Q7. Er bietet viel Platz und Ausstattung.
Die 408 PS der Version e-tron 55 quattro fallen energisch über alle vier Räder her. 660 bis 1725 Liter Gepäck passen in den Kofferraum, Ausstattung ist auf Wunsch in Hülle und Fülle vorhanden.

Der Audi lädt mehr als 300 Kilometer Reichweite in 30 Minuten

Die Reichweite nach WLTP-Norm wird vom Hersteller mit 436 Kilometern angegeben. 2019, auf der Teststrecke von AUTO BILD, verbrauchte der Audi 32,7 kWh Strom. Daraus errechnet sich eine Straßen-Reichweite von 290 Kilometern.
Laut ADAC kann der Audi mit maximal 150 kW in zehn Minuten Strom für 113 Kilometer Reichweite laden. In 20 Minuten kommt er auf 216 Kilometer, in einer halben Stunde auf 305 zusätzliche Kilometer. Die Preise starten bei 81.500 Euro.

3. Hyundai Ioniq 5

Der Ioniq 5 ist der erste Vertreter von Hyundais neuer E-Marke und tritt mit 800-Volt-Technik und optionalem Allrad an. Was seine Abmessungen angeht, ist er direkt mit dem VW ID.4 vergleichbar.
Hyundai Ioniq 5 4WD
Hyundai hat mit dem Ioniq 5 ein spannendes Auto mit Qualitäten und tollen Details auf die Räder gestellt.
Im koreanischen Crossover haben vier Passagiere bequem Platz. Das liegt nicht zuletzt an der luftigen Gestaltung des Innenraums. Technik-Fans dürften sich über Details wie die optionalen Solarzellen im Dach freuen.

264 Kilometer Reichweite auf der Straße für den Hyundai

Mit 4,64 Metern Länge ist auch der Koreaner kein Kleinwagen. Ein 58 kWh-Akku mit etwas weniger als 400 Kilometern Reichweite und eine Batterie mit 72,6 Kilowattstunden Kapazität stehen zur Auswahl. Im Test bei AUTO BILD verbrauchte ein Ioniq 5 mit 72,6 kWh-Akku und Allrad 27,4 kWh Strom. Daraus ergibt sich eine realistische Reichweite von 264 Kilometern (WLTP-Wert: 430 km).
Dem ADAC zufolge lädt der Ioniq 5 mit maximal 220 kW in zehn Minuten genug Strom für 183 Kilometer Reichweite. In 20 Minuten ist es Energie für 307, in einer halben Stunde für 351 Kilometer. Preis: ab 41.900 Euro.

4. Peugeot e-208 GT

Der stärkste Peugeot 208 der zweiten Generation stromert elektrisch von A nach B. Der e-208 leistet satte 136 PS und kommt luxuriöser daher als die Verbrenner-Geschwister. Beim Fahren ist alles wie gewohnt: Einsteigen, Fahrstufe D einlegen, und los geht's. Der elektrische 208 zischt in 8,1 Sekunden von 0 auf hundert. 260 Nm maximales Drehmoment erlauben souveränen Antritt im kleinen Franzosen.

Der Peugeot lädt in 30 Minuten Strom für 205 Kilometer

Die per WLTP ermittelte Reichweite beziffert Peugeot mit 362 Kilometern. Doch diese Zahl schmilzt zusehends dahin, wenn man die volle Leistung des E-Motors herauskitzelt. Bei AUTO BILD im Test verbrauchte ein technisch weitgehend identischer Opel Corsa-e 18,3 kWh. Setzt man das voraus, schafft der Opel auf der Straße eine Reichweite von 273 Kilometern.
Peugeot e-208
Der Peugeot e-208 überzeugt damit, dass er sich von seinen Verbrenner-Geschwistern kaum unterscheidet.
Der ADAC hat beim Check der Ladeleistung herausgefunden, dass der e-208 Strom für 85 Kilometer in zehn Minuten lädt. Für 157 Kilometer braucht er 20 Minuten, für 205 Kilometer eine halbe Stunde. Der Franzose lädt mit maximal 100 kW. Die Preise beginnen bei 31.950 Euro für den Peugeot e-208 Active.

5. Porsche Taycan 4S

Der Porsche Taycan 4S leistet maximal 530 PS und soll nach WLTP eine Reichweite von bis zu 407 Kilometern schaffen. Das hellblaue Exemplar im Foto ist bei AUTO BILD im Dauertest über 100.000 Kilometer unterwegs und sorgt vor allem für eins: Aufsehen! Auf kaum ein anderes Auto wird die Redaktion offener angesprochen: Wie fährt er? Wie viele Kilometer schafft er am Stück? Was kostet er?
Porsche Taycan 4S
Der Porsche Taycan 4S ist ein faszinierendes Auto, das viel Aufsehen erregt. Er zeigt sich als echter Porsche.
Von den angegebenen 407 Kilometern Reichweite haben sich bisher im Alltag rund 330 als realistisch erwiesen. Das Fahrverhalten ist Porsche-typisch: agil, griffig, präzise und verdammt schnell. Komfortabel kann der Taycan dazu. Auf der Verbrauchsrunde im AUTO BILD-Test genehmigte sich ein Taycan Turbo S 29,4 kWh Energie. Daraus ergibt sich eine Reichweite von 285 Kilometern.
Der ADAC hat gemessen, dass der Porsche zehn Minuten benötigt, um Strom für 203 Kilometer zu laden. In 20 Minuten zieht er sich genug Energie für 310 zusätzliche Kilometer, in einer halben Stunde sind es 345. Der Taycan lädt derzeit mit maximal 270 kW. Preis: ab 106.487 Euro.
VW ID.4
Der VW ID.4 ist ein ordentliches Trumm, bei der Größe aber erfreulich praktisch.

6. VW ID.4

Der ID.4 ist das erste Elektro-SUV von VW. Der Wagen wiegt inklusive Redakteuren an Bord locker mehr als 2,2 Tonnen, ein echtes Trumm. Aber der ID.4 kann sehr praktisch und fährt mit Dachreling und Anhängerkupplung vor. Während der anhaltenden Halbleiterkrise bildet der ID.4 Pure Performance das Basismodell. Er hat 170 PS und kostet mindestens 38.915 Euro (vor Abzug der Umweltprämie).

Strom für 254 Kilometer Reichweite in 30 Minuten

Im 52 kWh großen Akku dieses ID.4 sollen bis zu 346 Kilometer Reichweite stecken. Im Test bei AUTO BILD verbrauchte ein ID.4 mit Heckantrieb und 77-kWh-Akku 21,5 kWh. Das steht für eine realistische Reichweite von 358 Kilometern. Der ADAC gibt an, dass ein ID.4 in zehn Minuten Strom für 105 Kilometer laden kann. In 20 Minuten ist es Energie für 190 Kilometer, in einer halben Stunde Saft für 254. Abhängig vom Akku lädt der ID.4 mit 50 bis 132 kW.