Deutschland wird zunehmend als Standort zur Produktion von Batterien für Elektroautos interessant. Das hat nicht nur Tesla erkannt, das in seinem neuen Werk in Grünheide bei Berlin neben 500.000 Autos pro Jahr auch Akkus herstellen will. Geplante Kapazität: insgesamt angeblich bis zu 250 Gigawattstunden, ein stattlicher Wert. Mit der Gigafactory mitten in der traditionellen Autonation Deutschland will Firmenchef Elon Musk zeigen, was er kann und sein Revier markieren.
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Was Tesla recht ist, ist anderen Autobauern nur billig. Immer mehr siedeln sich im hoch industrialisierten Deutschland mit entsprechenden Lohnkosten an und errichten Fabriken zur Batterieproduktion. Denn die Zellen sind essenziell bei der Herstellung von Elektroautos (so funktioniert ein E-Autoakku). Nur wer die Lieferkette rund um die Energiespeicher im Griff hat, kann langfristig die Absätze am Laufen halten. Zu tiefgreifend waren die Erfahrungen, als vor ein paar Jahren die koreanischen Partner LG Chem und Panasonic bei den Verhandlungen um Batteriezellenkontingente eine etwas härtere Gangart einschlugen.
Batterieproduktion bei VW
Der Volkswagen-Konzern treibt die Batteriefertigung in Salzgitter voran.

VW-Partner Northvolt noch nicht ganz so weit

Also fertigt man die Akkus in Eigenregie – allerdings noch nicht ohne Partner. In einer Fabrik in Deutschland lassen sich Krisen und Meinungsverschiedenheiten schneller im eigenen Sinne lösen als bei Werken in Korea oder China. Ganz vorne dabei ist VW. Die Niedersachsen wollen im ehemaligen Motorenwerk Salzgitter Batteriezellen produzieren. Überraschenderweise ist aber nicht das lange favorisierte schwedische Start-up Northvolt der Bräutigam, sondern mit Gotion High Tech ein Unternehmen aus China, an dem VW seit 2020 26 Prozent der Anteile hält. Auch die anderen Konzernmarken schalten bei E-Mobilen einen Gang hoch, da ist der Hunger nach Batterien groß. Doch noch ist Northvolt nicht so weit. Dennoch halten die Wolfsburger an dem Ziel fest, gemeinsam mit den Schweden ab 2023 Batteriezellen zu produzieren – schließlich sollte man bei diesem wichtigen Bauteil auf mehreren Beinen stehen.
 
Anlage Zellmodulfertigung von BMW in Leipzig
BMW produziert unter anderem in Leipzig Batterien für sein E-Auto-Flaggschiff iX.

BMW baut Batterie-Pilotwerk bei München

BMW steigt ebenfalls in die Batteriezellenproduktion ein und errichtet in der Nähe von München ein Pilotwerk, das Ende 2022 den Betrieb aufnehmen soll. Neben den dringend benötigten Akkus soll so auch Kompetenz erlangt werden. Denn langfristig möchte man auf eigenen Beinen stehen. Als gesetzt gilt dabei auch das Werk Leipzig, in dem bereits die Batteriemodule für das Münchner BEV-Flaggschiff BMW iX vom Band laufen. Das Marken-Konglomerat Stellantis (u. a. Opel, Peugeot, Citroën) plant bis Ende 2025 eine Akkufabrik in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz; Foto oben) zu errichten. "Die Versorgung mit Batterien wird entscheidend sein", so Konzernchef Carlos Tavares.
Batterieproduktion bei Mercedes
Die lokale Batterieproduktion ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Elektro-Offensive von Mercedes.

Mercedes gibt Vollgas bei Energiespeichern

Bei Mercedes gibt man bei den Energiespeichern wieder Vollgas. Nachdem der frühere Boss Dieter Zetsche die eigene Zellfertigung als nicht zielführend erachtete, versucht der schwäbische Autobauer jetzt verlorenen Boden gutzumachen. Die Daimler-Tochter Deutsche Accumotive hat den Standort Kamenz als Herstellungsstätte von Elektroauto-Batterien wiederbelebt und produziert in Sachsen wieder Akkus. Dass das nicht reichen wird, weiß man auch in Stuttgart-Untertürkheim und intensiviert die Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner Grob-Werke, einem anerkannten Spezialisten für Batterieproduktions- und Automatisierungssysteme. Mit diesem Know-how soll auch im großen Stammwerk Sindelfingen eine Batteriefabrik entstehen. Bereits in Betrieb genommen ist mit Blick auf die EQ-Modellfamilie eine neue Batteriefabrik in Hedelfingen (Teil des Standorts Untertürkheim), wo die nahtlose Integration der Batterie- in die bestehende Getriebeproduktion forciert wird.

Porsche-Batteriefabrik in Tübingen

Der schwäbische Nachbar Porsche schließlich bleibt dem Ländle treu und will in Tübingen eine Batteriefabrik bauen. Der Batteriehersteller Varta stellt ab Ende dieses Jahres im Stammsitz in Ellwangen die begehrten Energiespeicher in einer Pilotanlage her. Der chinesische Batteriezellenfertiger CATL, der zuletzt mit neuer Natrium-Ionen-Technik von sich reden machtebaut bereits eine Fabrik in Arnsberg, um in Zukunft die BMW-Werke in Leipzig und Dingolfing mit Akkus zu versorgen.

Von

Wolfgang Gomoll