Soll ich mir als nächsten Neuwagen ein Elektroauto anschaffen? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen in Deutschland, die über einen Autokauf nachdenken. Viele schließen es aber auch von vornherein aus, die meisten aus zwei Gründen: Reichweitenangst sowie Furcht vor erhöhten Kosten.
Ob Zweifler oder Grübler: Für beide lohnt sich ein genauerer Blick aufs Finanzielle, sprich: ein Kostenvergleich zwischen Diesel/Benziner und E-Auto. Eine derartige Studie gab im Sommer 2021 der Verbraucherzentrale Bundesverband mit europäischen Partnern in Auftrag. Ein Ergebnis: Bei einem Mittelklassefahrzeug mit Elektroantrieb sparen Erstkäufer gegenüber einem Benziner in vier Jahren rund 29 Prozent oder 11.000 Euro an Kosten. Auch Zweit- und Drittbesitzer profitieren laut der Modellrechnung über die zugrunde gelegten 16 Nutzungsjahre, hier liegen die finanziellen Vorteile bei 19 oder 29 Prozent. Können sich E-Autos also wirklich nur Wohlhabende leisten, die ihr Öko-Gewissen beruhigen wollen? Für die Antwort möchte AUTO BILD wertvolle Zahlen und Fakten zum Thema E-Auto-Kauf liefern.
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Fährt man im E-Auto günstiger als im Verbrenner?

VW ID.3       VW Golf 8 VIII 1.5 eTSI
VW Golf und ID.3 sind Konkurrenten aus demselben Hause: der eine mit Verbrenner, der andere mit Elektromotor.
Denn wie so oft im Leben gibt es auch auf die Frage, ob man mit einem Verbrenner oder Stromer günstiger fährt, keine eindeutige Antwort. Vieles hängt zum Beispiel vom individuellen (Fahr-)Verhalten ab. Oder vom persönlichen Umfeld. Oder vom Schnäppchen, das man möglicherweise gerade entdeckt. Wichtig: Man sollte sich nicht nur vom Anschaffungspreis leiten lassen; auch wenn er von den meisten Interessenten neben Reichweite und Lademöglichkeit als wichtigstes Entscheidungskriterium herangezogen wird. Doch es gilt auch die laufenden Kosten über mehrere Jahre zu berücksichtigen – also für Treibstoff, Kfz-Steuer, Versicherung, Wartung, Service und Verschleiß am Fahrzeug. Gerade beim Treibstoff/Strom steckt für E-Autos ein großes Sparpotenzial, wie ein neues Rechenbeispiel von "Check24" (siehe unten) beweist. Wichtig ist auch der Restwert bei einem möglichen Weiterverkauf. Und nicht zuletzt spielen auch die politischen Umstände eine Rolle, darunter die finanzielle Förderung.

Wie berechnet der ADAC den Kilometerpreis beim E-Auto?

Wer für sich persönlich bestimmen will, ob sich der Umstieg rechnet, der sollte also möglichst weitere Parameter in den Kostenvergleich einfließen lassen. Der ADAC hat in einer großen Modellrechnung den Kilometerpreis vieler E-Autos, Plug-in-Hybride und Verbrenner errechnet und dabei herausgefunden: So manche Stromer wie beispielsweise der BMW i3 oder der VW ID.3 fahren im Vergleich mit BMW 1er oder VW Golf am günstigsten. Der Renault Clio und der traditionelle Opel Mokka wiederum schneiden durch den vom Verkehrsklub zugrunde gelegten Preisrabatt von 15 Prozent beim Neukauf besser ab als Renault Zoe und Opel Mokka-e. Das Rennen zwischen Elektro und Benziner/Diesel ist also offener denn je. Wer kalkulieren möchte, dem kann der AUTO BILD-Kostencheck dabei als Grundlage dienen. Wer weitere Tipps zum E-Auto-Kauf benötigt, wird hier fündig!

Kostenvergleich Verbrenner vs. E-Auto

Was ist mit der Anschaffung?

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Generell sind Elektroautos bei der Neuanschaffung noch immer mehrere Tausend Euro teurer als vergleichbare Diesel und Benziner. Das liegt an den geringeren Stückzahlen in der Produktion, vor allem aber an den teuren Batterien. Diese machen in der Regel ein Drittel des Kaufpreises aus. Aber: Durch die erhöhte Elektro-Kaufprämie sparen Neuwagenkäufer noch mindestens bis Ende 2025 bis zu 9000 Euro sowie einen Teil der Mehrwertsteuer. Manche Hersteller erhöhen sogar noch ihren Anteil und runden nach oben hin auf. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass mit etwas Geschick auch beim Kauf von Verbrennern ordentliche Rabatte drin sind. Und: E-Auto-Akkus werden in der Herstellung immer günstiger. Lagen die Kosten pro Kilowattstunde (kWh) 2010 noch bei etwa 600 Euro, waren es 2020 nur noch 100 Euro. Obwohl die Kosten mittlerweile langsamer sinken, könnte schon in wenigen Jahren der "Break Even Point" von 100 Dollar/kWh (ca. 82 Euro) erreicht sein – das Level, ab dem der Anschaffungspreis auch ohne Förderung mit Verbrennern mithalten kann.

Wie hoch sind die Kosten für Treibstoff/Strom?

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Beim Tanken von Benzin oder Diesel gibt es große Unterschiede und entsprechend viele Sparmöglichkeiten. Im Jahr 2021 hat sich die preisliche Lage an den Zapfsäulen durch die CO2-Abgabe, die Mehrwertsteuer-Rückerhöhung und gestiegene Rohöltarife deutlich verschärft. Im Juli kosteten laut Analyse von Clever Tanken (gehört zur AUTO BILD-Gruppe) der Liter Super E10 im Schnitt knapp 1,55 Euro, der Liter Diesel 1,39 Euro. Das waren 29 bzw. 30 Cent mehr als noch ein Jahr zuvor. Ein aktueller VW Golf mit Benzinmotor und 5,5 l Verbrauch (angegebener und realer Verbrauch weichen meist voneinander ab) verursacht also 8,52 Euro Treibstoffkosten für 100 Kilometer, ein Diesel mit 4,5 l Verbrauch 6,25 Euro.
Das Verbraucherportal "Check24" errechnete, dass Benzinkunden (1385 Euro) im Jahr rund 90 Prozent mehr für Treibstoff zahlen als E-Autofahrer für Strom (730 Euro). Grundlage der Berechnungen waren 11.387 gefahrene Kilometer, ein Verbrauch von 7,8 Liter bzw. 20,7 kWh pro 100 km und die aktuellen Preise für Benzin und Hausstrom (31 Cent/kWh).
Allerdings hängt auch beim Laden von E-Autos der Kostenaufwand von vielen Faktoren ab – etwa vom Ort, der Ladeart und vor allem vom Stromtarif. Wer zu Hause an seiner Wallbox lädt, der kommt definitiv deutlich günstiger weg als jemand, der den Akku an einem Schnelllader an der Autobahn auflädt (wenn die Technik des Autos es zulässt). Im Idealfall bekommt man den Strom für sein E-Auto gratis am Arbeitsplatz oder vor einem Verbrauchermarkt. Und sogar am selben Ort gibt es große Unterschiede, mit dem richtigen Stromtarif zu Hause lassen sich bis zu 500 Euro jährlich sparen. Zum Vergleich: Beim VW ID.3 mit 17 kWh Stromverbrauch auf 100 Kilometer (entspricht dem Durchschnittverbrauch von E-Autos in Deutschland laut Herstellerangaben) ist man beim Hausstrom mit einem Durchschnittspreis von 31 Cent/kWh mit 5,27 Euro dabei. An öffentlichen Ladepunkten (Mitte 2021 gab es rund 45.000 in Deutschland) gibt es noch immer unendlich viele Tarif- und Bezahlmodelle. Bei einem angenommenen Preis von 40 Cent/kWh wäre man beim ID.3 bei 6,80 Euro pro 100 Kilometer. Tanken und Laden gemein ist, dass man mit dem individuellen Fahrverhalten den Verbrauch beeinflussen und damit viel Geld sparen kann.
Wertvolle Hilfestellung dürfte der neue Energiekostenvergleich liefern, der seit dem 1. Oktober 2021 an fast allen Tankstellen aushängt. Dabei handelt es sich um ein Plakat oder auch einen Bildschirm, auf dem die Kosten verschiedener Energieträger – Benzin, Diesel, Erdgas, Autogas, Strom und Wasserstoff – pro 100 Kilometer Fahrstrecke aufgelistet sind. Die Maßnahme soll es Tankstellen-Kunden ermöglichen, trotz unterschiedlicher Maßeinheiten (Liter, Kilogramm, Kilowattstunden) einfach Preise zu vergleichen.

Was kosten E-Autos an Kfz-Steuer, was Verbrenner?

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Beim Thema Kfz-Steuer sind E-Auto-Besitzer fein raus, ihr Elektrowagen ist zehn Jahre lang von dieser Abgabe an den Staat befreit (bei Neuzulassung bis Ende 2025; Befreiung längstenfalls bis 31.12.2030). Das alles gilt auch für Leasingfahrzeuge. Bei der Besteuerung von Pkw mit Verbrennungsmotor wird seit 2021 neben dem Hubraum der CO2-Ausstoß stärker gewichtet, Spritschlucker kosten also mehr. Beispiele: Ein Kleinwagen Hyundai i10 verursacht 68,40 Euro Kfz-Steuer pro Jahr, ein VW Golf 8 1.5 eTSI 161,50 Euro und ein BMW X7 M50d 745 Euro. Zusätzlich gibt es Steuervergünstigungen bei Dienstwagen: Bei der Privatnutzung von E-Autos unter 60.000 Euro Kaufpreis müssen nur 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden, bei Elektroautos über 60.000 Euro 0,5 Prozent. Auch das Gratis-Laden beim Arbeitgeber wird nicht als geldwerter Vorteil gewertet, sondern ist steuerfrei.

Wie verhält es sich bei der Kfz-Versicherung?

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Generell werden E-Autos nach dem gleichen Prinzip versichert wie Autos mit Verbrennungsmotor. Die Kosten für die Kfz-Versicherung richten sich also vor allem nach Typ-, Regional- und Schadenfreiheitsklasse des Versicherungsnehmers, sprich dem Unfallrisiko (zum Versicherungsvergleich). Aufgrund des höheren Anschaffungspreises sollte ein neues Elektroauto per Vollkasko versichert werden und dabei unbedingt der teure Akku sowie das Abschleppen und der Schaden durch einen möglichen Kurzschluss der Batterie eingeschlossen sein. Das alles deutet eher auf eine teurere Kfz-Versicherung für E-Autos hin, einige Versicherer bieten jedoch bereits Sonderkonditionen für Stromer. Zudem sind viele Elektroautos inzwischen günstiger zu versichern als vergleichbare Benziner – wegen niedrigerer Unfallzahlen, mutmaßlich durch viele Assistenzsysteme an Bord und eine umsichtigere Fahrweise der Besitzer.

Wie teuer sind Reparaturen?

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Laut einer Allianz-Studie fallen nach einem Unfall die Kosten für die Reparatur eines Elektroautos um zehn Prozent höher aus als bei einem Verbrenner. Grund sind oft Normen oder Herstellervorgaben, die beispielsweise den Austausch des teuren Akkus nach Airbag-Auslösung vorsehen. Das kann laut der Allianz zu einem wirtschaftlichen Totalschaden führen. Auch Marderbisse können einen teuer zu stehen kommen, da ein Hochvolt-Kabelstrang ohne Schutzummantelung komplett ausgetauscht werden muss. Beschädigte Akkus muss die Versicherung im Normalfall ersetzen, sodass die höheren Reparaturkosten nicht dem Verbraucher zur Last fallen. Allerdings können sich gestiegene Beiträge für bestimmte Fahrzeuge ergeben. Bei Plug-in-Hybriden liegen die Reparaturkosten der Studie zufolge sogar um 50 Prozent höher, da diese Antriebsstränge vorwiegend in hochwertigen Autos verbaut sind, in denen Ersatzteile teurer sind.

Was kosten Wartung, Service, Verschleiß?

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In puncto Wartung, Service und Verschleiß ist das E-Auto eindeutig im Vorteil. Ein AUTO BILD-Vergleich dreier VW-Modelle ergab bei der Wartung einen Preisvorteil von rund 50 Prozent für einen ID.3 gegenüber einem Golf 7 TDI. Das E-Auto braucht keinen teuren Ölwechsel und keine Abgasuntersuchung, typische Verschleißteile wie Getriebe, Keil- und Zahnriemen oder Zünd- oder Glühkerzen fehlen an Bord. Die Bremsen werden durch Rekuperationstechnik (Energierückgewinnung über den Motor) geschont. Dadurch werden die Serviceintervalle größer, Elektroautos müssen seltener in die Werkstatt. Tesla schreibt gar keine Inspektionen mehr vor, löst vieles über Online-Updates. Ganz ohne Service geht es bei den meisten E-Autos aber auch nicht, vor allem die Batterie braucht eine regelmäßige Kontrolle.

Wie hoch ist der Restwert bei E-Autos und Plug-in-Hybriden?

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Beim Thema Restwert (zu den Wertmeistern 2020) sind noch keine validen Aussagen zu machen, weil es noch relativ wenige gebrauchte E-Autos gibt. Allerdings sagen Experten eher niedrige Restwerte für Elektroautos (und auch für Plug-in-Hybride) voraus – und das auf Dauer. Grund dafür ist die Elektro-Kaufprämie für Neuwagen, wodurch Autokunden noch jahrelang mit einem stark rabattierten, also günstigen E-Auto auf dem Markt rechnen dürfen.