Ratgeber gebrauchte E-Autos

Gebrauchtwagenkauf Elektroauto: Ratgeber

— 06.04.2016

Gebraucht günstiger stromern

Gebrauchte Elektroautos können eine günstige Alternative zu Neuwagen sein. Alles zum Kauf von gebrauchten VW e-Golf, Tesla und Co. – von Akku bis Zusatzkosten!

Elektroautos sind sauber, leise und günstig im Unterhalt. Also eigentlich eine wunderbare Alternative zum Diesel oder Benziner. Eigentlich. Wären da nur nicht die hohen Anschaffungskosten! Aber es muss ja gar kein elektrischer Neuwagen sein: Allmählich kommen immer mehr Gebrauchte mit Stecker auf den Markt. Sind die nicht eine Alternative? Wie viel lässt sich sparen? Was sind die Schwachstellen von Stromern, und worauf ist beim Kauf zu achten? AUTO BILD gibt die Antworten auf Fragen rund um den Kauf von gebrauchten E-Autos!

Gebrauchtwagensuche: Elektroautos

Wie viel ist ein gebrauchtes E-Auto günstiger?

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'Würden Sie ein gebrauchtes E-Auto kaufen?'

Genau wie bei konventionell angetriebenen Autos können Sie ordentlich sparen, wenn Sie einen Gebrauchtwagen erstehen. Laut einer Prognose, die Schwacke auf Anfrage von AUTO BILD erstellt hat, wird ein VW e-Golf (Neupreis 34.900 Euro, 10.000 Kilometer Laufleistung pro Jahr) nach vier Jahren noch 18.750 Euro kosten – also gut die Hälfte! Anders als bei einem Diesel oder Benziner, wo der Wertverlust in den ersten vier Jahren etwa 50 Prozent beträgt, hat der Elektro-Golf aber deutlich weniger Verschleißteile, die nur auf den Austausch warten. Das Problem bei der Sache: Noch gibt es keine Vierjährigen, der e-Golf ist erst seit Februar 2014 auf dem Markt. Die ersten Exemplare, die im AUTO BILD Gebrauchtwagenmarkt angeboten werden, sind anderthalb Jahre alt und kosten noch an die 29.000 Euro. Also immerhin 5000 Euro weniger als neu.

Gebrauchter Peugeot iOn im Test

Peugeot iOn Peugeot iOn Peugeot iOn, Innenraum, Cockpit
Wer eher mit dem BMW i3 liebäugelt, der muss beim Gebrauchtwagenkauf etwas tiefer in die Tasche greifen. Obwohl neu mit einem Preis von 34.950 Euro fast exakt genauso teuer wie der e-Golf, soll der Münchner als Vierjähriger nach Schwacke-Prognose noch 22.150 Euro wert sein (60 Prozent des Neupreises). Ganz anders sieht die Sache beim Tesla Model S aus: Schwacke rechnet damit, dass der Ober-Stromer nach 48 Monaten nur noch 40 Prozent der ursprünglich 120.300 Euro kostet – ein Model S für 54.600 Euro! 

Wie viel teurer sind neue E-Autos?

Neue Elektroautos kosteten laut einer Auswertung der Management-Consultants Horváth&Partner im Jahr 2015 41 Prozent mehr als ein vergleichbarer Diesel oder Benziner. 2010 seien es noch mehr als 100 Prozent gewesen, E-Autos sind also im Vergleich deutlich günstiger geworden. Allerdings verlangsamt sich die positive Preisentwicklung deutlich, so die Experten: 2014 habe sie noch 45 Prozent betragen. Für 2020 sagt Horváth&Partner voraus, dass Stromer im Schnitt 16 Prozent mehr kosten werden als Diesel oder Benziner. Zu viel: "Erst wenn durch neue, massentaugliche Elektrofahrzeuge der Aufpreis unter zehn Prozent fällt, wird der Kaufpreis kein Argument mehr gegen die Elektromobilität sein", so Autoexperte Heiko Fink. Da falle es für Interessenten auch nicht ins Gewicht, dass die Energiekosten je Kilometer bei einem Verbrenner trotz niedriger Ölpreise um den Faktor 2,4 höher sind als bei einem reinen Elektrofahrzeug.

E-Autos und Plug-in-Hybride: Das bringt die Kaufprämie

Wie viel sind Stromer als Achtjährige noch wert?

Das ist nicht absehbar. Der Mitsubishi EV (ehemals i-MiEV), das "älteste" Volumenmodell unter den E-Fahrzeugen, wird seit Dezember 2010 gebaut. Die Preise für ihn und den baugleichen Peugeot iOn sind derzeit "auf einem niedrigen, aber stabilen" Niveau, wie Schwacke sagt. Wie das in ein paar Jahren aussehen mag, ist völlig unklar: Zahlreiche Faktoren könnten die Wertentwicklung von Elektroautos in den kommenden Monaten und Jahren beeinflussen. Fraglich ist beispielsweise, wie sich die Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro auswirkt – so mancher Neuwagen ist dann so günstig wie ein junger Gebrauchter,  was dessen Wert wohl deutlich senken wird, weil es nicht mehr ökonomisch wäre, einen Gebrauchten zu kaufen. Sollten irgendwann nur noch emissionsfreie Autos in die Städte fahren dürfen, würde das den Wert von E-Autos andererseits in die Höhe treiben. Kommen neue, leistungsfähigere Batterien auf den Markt, wirkt sich das ungünstig auf den Restwert von Autos mit "alten" Akkus aus.  Es ist allerdings anzunehmen, dass der Wert von älteren Stromern (ab ca. acht Jahren) rapide sinkt, da sich die Leistungsfähigkeit der Batterie unweigerlich verringert. Ist die Batterie einmal platt, könnte das den wirtschaftlichen Totalschaden nach sich ziehen, wenn der Ersatz extrem teuer ist. Dazu später mehr.

Welche Verschleißteile haben Elektroautos?


Elektromotoren sind wesentlich einfacher gebaut, haben eine höhere Lebensdauer und sind nicht so wartungsintensiv.

Die prima Nachricht: E-Autos haben im Vergleich zum Verbrenner wesentlich weniger Verschleißteile, beim Kauf eines Gebrauchten muss man also weniger beachten. Zahnriemen, Zündkerzen, Schaltgetriebe, Tanksystem, Auspuff – all das hat ein Stromer nicht, und was es nicht gibt, kann auch nicht kaputt gehen. Stoßdämpfer und Fahrwerk unterliegen vergleichbaren Kräften und Abnutzung wie bei konventionell angetriebenen Autos, und sie sind auf das etwas höhere Gewicht ausgelegt. Elektromotoren sind wesentlich einfacher gebaut, haben eine höhere Lebensdauer und sind auch weniger wartungsintensiv. Das gilt auch für das Einganggetriebe und die Akkumulatoren. Einziger Schwachpunkt ist eben die Batterie.

Wie lange hält die Batterie? Lässt die Leistung nach?

Die Frage aller Fragen. Glaubt man den Herstellern, hält die Batterie ein Autoleben lang. Fragt sich, was das heißt – bei guter Pflege kann ein Auto durchaus 15, 20 oder sogar noch mehr Jahre gute Dienste leisten. Eine so lange Lebensdauer dürfte kaum eine Batterie: Nach einer gewissen Anzahl an Ladezyklen lässt wie beim Handy die Leistung nach, die Reichweite sinkt, es muss immer häufiger nachgeladen werden. Doch werden immer leistungsfähigere Akkus entwickelt, moderne Lithium-Ionen-Akkus halten mindestens 2000 Ladezyklen. Bei durchschnittlicher Fahrweise entspricht das einem Zeitraum von rund zehn Jahren, und dann ist die Batterie ja auch nicht gleich tot, sondern nur etwas schwächer auf der Brust. Bei einigen Autobauern sollen die Akkumulatoren sogar 5000 bis 8000 Zyklen schaffen. Auch Volker Blandow vom TÜV Süd sieht wenig Probleme: "Alle aktuell verfügbaren Fahrzeuge weisen durchweg eine hohe Qualität auf." Bei den japanischen Herstellern wie Mitsubishi und Nissan sollte man allerdings auf das Modell und den Jahrgang achten: Im Laufe der Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, sie fahren weiter und verbrauchen weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge seien, desto besser sei die Qualität der Akkus und E-Motoren. Sein Tipp: "Wer beim Händler ein Gebrauchtfahrzeug erwirbt, geht in diesem Punkt eine Stufe sicherer."

Wie finde ich heraus, ob der Akku noch fit ist?

Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen. So können Sie vor dem Kauf überprüfen lassen, in welchem Zustand die Batterie ist. Ein absolutes Muss! Unterschreiben Sie keinen Kaufvertrag für einen gebrauchten Stromer, ohne den Zustand der Akkumulatoren zu kennen.

Was ist, wenn die Batterie doch kaputtgeht?

"Das ist nicht vorgesehen", so die Standardantwort der E-Auto-Hersteller auf Nachfrage von AUTO BILD. Einen konkreten Preis für eine Austauschbatterie wollte nur Ford nennen: 14.400 Euro kostet ein kompletter Satz. Die anderen Marken schwiegen sich aus. Verständlich: Geht außerhalb der Garantiezeit (in der Regel acht Jahre oder 100.000 Kilometer) der Akku hops, ist der Restwert des Autos fraglich. Beim Peugeot iOn beispielsweise, den AUTO BILD als Gebrauchtwagen getestet hat, kostete eine Ersatzbatterie (Stand August 2015) gar 24.374 Euro, also 200 Euro mehr als ein kompletter, nagelneuer iOn.

Manche E-Autos sind nicht auf Modulwechsel ausgelegt

Ein Austausch einzelner Module ist hier (genau wie beim Citroën C-Zero, Berlingo Elektrik sowie Peugeot Partner Elektrik) nicht möglich: "Wir arbeiten an einem System, auch einzelne Module zu tauschen", so ein Sprecher gegenüber AUTO BILD. Bei anderen Fahrzeugen, beispielsweise dem BMW i3, dem Mitsubishi EV, VW e-Golf und e-Up oder auch dem Nissan Leaf, ist der Tausch einzelner, kaputter Zellmodule dagegen möglich – beim Leaf kostet ein Modul 339 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer und Arbeitszeit (5,8 Stunden für ein Modul, rund zwölf für alle). Weitere Infos zu  den Batterien der einzelnen E-Autos (Reichweite, Ladezeiten, Lebensdauer) finden Sie in der Bildergalerie!

Übersicht: Batterien der Elektroautos

Welche Vor- und Nachteile hat die Batteriemiete?

Einige Hersteller bieten die Batterie auch zum Mieten an. Das Hauptargument dafür ist, dass der Akku bei Defekten oder bei einer neuer Generation mit höherer Speicherkapazität kostenlos getauscht wird. Das ist vor allem bei älteren Gebrauchten ein Riesenvorteil, da hier nicht die Gefahr besteht, dass möglicherweise für tausende Euro eine neue Batterie angeschafft werden muss, wenn die alte schlappmacht. Nachteil: monatliche Folgekosten durch das Batterie-Leasing.

Welche Modelle mit Miet-Batterie gibt es? Und was kostet das?

Beim Zoe kann man die Batterie kaufen oder mieten.

• Nissan Leaf: kann mit oder ohne Batterie gekauft werden. Die Miete kostet je nach Laufzeit und Jahresfahrleistung zwischen 79 und 142 Euro pro Monat.
Renault Zoe: 49 bis 162 Euro pro Monat (abhängig von Vertragslaufzeit und Jahresfahrleistung).
• Renault Twizy: 30 bis 70 Euro pro Monat (abhängig von Vertragslaufzeit und Jahresfahrleistung).
Smart Fortwo electric drive: 65 Euro pro Monat.
• Citroen Berlingo electric: Gewerbekunden können die Batterie auch mieten – bei 96 Monaten Laufzeit und einer Laufleistung von 160.000 Kilometern kostet das monatlich rund 89 Euro.

Hybrid- und Elektro-Neuheiten bis 2022

Jaguar i-Pace Lucid Motors Atvus VW CUVe Illustration

Wie teuer ist die Wartung eines Stromers?


Laut einer Studie des Instituts
 für Automobilwirtschaft (IFA) und der Hochschule 
für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen liegen die Wartungs-
 und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge rund
 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. So wer
den für einen Kleinwagen (Laufzeit acht Jahre, Jahresfahrleistung 8000 km) mit Elektromotor 2350 Euro Wartungs- und Reparaturkosten fällig. Besitzer von Diesel- oder Benzinermodellen müssen mit 3650 Euro rechnen. Der Grund: kein Ölwechsel, kein Ersatz der Auspuffanlage, geringerer Bremsenverschleiß.

Wie unterscheiden sich Inspektion/Wartung vom Verbrenner?


Inspektion und Wartung unterscheiden sich in Aufwand und Kosten, aber nicht in ihrer Regelmäßigkeit. E-Autos werden von den Herstellern in den gleichen Zeitabständen zur Inspektion gerufen wie herkömmliche Autos. So soll garantiert werden, dass sich Funktion und Mechanik in einem einwandfreien Zustand befinden. Die regelmäßige Wartung trägt außerdem zum Werterhalt bei und sichert die Garantieleistungen des Herstellers.

Gebrauchtwagensuche: Hybridfahrzeuge

Der Inspektionsaufwand bei E-Autos ist allerdings wesentlich geringer. Zeitintensive Arbeiten wie etwa der Wechsel von Betriebsflüssigkeiten (Motoröl, Kühlwasser) fallen weg. Ein wichtiger Punkt ist aber die Überprüfung der Batterie. Die elektronischen Komponenten sind nahezu wartungsfrei. Dementsprechend sind die Kosten beim Verbrenner höher, da mehr Zeit aufgewendet wird und mehr Bauteile am Auto regelmäßig ausgetauscht werden.

Halten die Bremsen beim E-Auto länger?

Ja! Das Zauberwort heißt Rekuperation und meint die Rückgewinnung von Energie im Brems- und Schubbetrieb von Elektrofahrzeugen. Das Elektroauto wird nicht nur durch den Elektromotor beschleunigt, sondern auch verzögert. Dadurch wird ein Teil der Bewegungsenergie in die Batterie zurückgespeist, und die Bremsen verschleißen weniger. Bremsen im E-Auto sollen sechs- bis zehnmal länger halten.

Lieber privat oder beim Händler kaufen?

Johannes Boos vom ADAC rät, grundsätzlich bei seriösen Händlern oder Innungsmitgliedern zu kaufen. Und: "Käufer sollten auf eine möglichst neue Hauptuntersuchung achten." Wichtig sei auch, die Kompetenz der lokalen Werkstatt zu prüfen, da aufgrund der verbauten Hochvolttechnologie speziell geschulte Mechatroniker notwendig sind.

Leasen oder lieber kaufen?

Der TÜV-Experte empfiehlt: "Wer sich unsicher bei einem Kauf ist, sollte sich ein Elektrofahrzeug für zunächst drei bis vier Jahre leasen." Ein finanzielles Risiko bleibe dabei in Grenzen.

Welche gebrauchten Stromer gibt's günstig?

Kleine und eher spartanisch ausgestattete Fahrzeuge wie der Mitsubishi EV (iMiev) oder Renault Zoe kosten als Gebrauchte vergleichsweise wenig Geld. Auch den oft in Flotten betriebenen Nissan Leaf wird es in den kommenden Monaten und Jahren preiswert geben, wenn die ersten Leasingverträge auslaufen.

Ratgeber gebrauchte E-Autos

Autoren: Maike Schade, Bernd Volkens, Bendix Krohn, dpa

Stichworte:

Wertverlust

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