Elektroautos sind sauber, leise und günstig im Unterhalt. Also eigentlich eine wunderbare Alternative zu Benziner und Diesel. Eigentlich. Wären da nicht die hohen Anschaffungskosten! Aber es muss ja kein elektrischer Neuwagen sein: Immer mehr Gebrauchte mit Stecker kommen auf den Markt. Sind die eine Alternative? Wie viel lässt sich sparen?
Was sind die Schwachstellen von Stromern, und worauf ist beim Kauf zu achten? AUTO BILD gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Kauf von gebrauchten E-Autos!
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Wie lange muss man gerade auf ein neues E-Auto warten?

Die Vorfreude aufs nagelneue Elektroauto wird aktuell (Stand November 2021) bei vielen Herstellern durch lange Wartezeiten getrübt. Die Gründe sind eine unerwartet hohe Nachfrage nach den Autos, eine langsam voranschreitende Umstellung der Produktionslinien und der anhaltende Chipmangel in der Autobranche. Das Neuwagen-Vergleichsportal carwow.de (Kooperationspartner von AUTO BILD) hat ermittelt, auf welche E-Autos man wie lange warten muss, hier ein paar Beispiele: Beim VW ID.3 sind es zehn Monate, genau wie beim Dacia Spring . Der Mercedes EQC lässt nach der Bestellung neun Monate auf sich warten, und bei Tesla sind es sowohl beim Model S als auch beim Model X ein ganzes Jahr. Da lohnt sich der Blick in den Gebrauchtwagenmarkt, denn die dort inserierten Fahrzeuge sind sofort verfügbar.

Wie viel günstiger ist ein gebrauchtes E-Auto als ein neues?

Genau wie bei konventionell angetriebenen Autos können Sie ordentlich sparen, wenn Sie einen Gebrauchtwagen erstehen. Ab rund 15.000 Euro ist in der AUTO BILD-Gebrauchtwagenbörse beispielsweise ein VW e-Golf (ehemaliger Neupreis 34.900 Euro) inzwischen zu haben! Zieht man von den 35.460 Euro Neupreis für einen VW ID.3 9000 Euro Umweltbonus (zum Nachweis der Förderfähigkeit durch die Kaufprämie kann ein DAT-Gutachten helfen) ab, kommen dabei 26.460 Euro heraus – und der Zweithand-Vorgänger ist günstiger. Wer eher mit dem BMW i3 liebäugelt, muss beim Gebrauchtwagenkauf nicht tiefer in die Tasche greifen. Neu war der BMW mit einem Preis von 34.950 Euro fast exakt genauso teuer wie der e-Golf, gebraucht liegt er ab 16.000 Euro etwas über dem VW. Folgendermaßen sieht die Sache beim Tesla Model S aus: Das amerikanische E-Flaggschiff kostet mit mindestens 47.990 Euro etwas weniger als die Hälfte des aktuellen Neupreises von 96.990 Euro.

Wie viel teurer als Verbrenner sind neue E-Autos?

Die Preise für neue Elektroautos bewegen sich seit Jahren kontinuierlich auf die Verbrenner zu. 2010 kostete ein E-Auto noch mehr als das Doppelte eines Pkw mit konventionellem Antrieb. 2014 waren es 45 Prozent mehr als beim Verbrenner, 2020 immer noch mehr als zehn Prozent Aufschlag. E-Autos sind im Vergleich deutlich günstiger geworden. Aber "erst wenn der Aufpreis unter zehn Prozent fällt, wird der Kaufpreis kein Argument mehr gegen die Elektromobilität sein", so Autoexperte Heiko Fink schon 2016 gegenüber AUTO BILD.

Bildergalerie

Mercedes EQB
Genesis GV60
Neue E-Autos (2020 bis 2024)
Kamera
Alle neuen E-Autos im Überblick

Wie viel sind gebrauchte Stromer nach acht Jahren noch wert?

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Wertentwicklung von Elektroautos. Die Kaufprämie in Höhe von bis zu 9000 Euro (bis 2025) hat den Preisdruck erhöht, denn so mancher Neuwagen ist auf einmal so günstig wie ein junger Gebrauchter. Das macht sich bereits massiv beim Restwertvergleich von Dreijährigen bemerkbar. Andererseits: Sollten irgendwann nur noch emissionsfreie Autos in die Städte fahren dürfen, würde das den Wert von E-Autos andererseits in die Höhe treiben. Kommen weiterhin neue, leistungsfähigere Batterien auf den Markt, wirkt sich das wiederum ungünstig auf den Restwert von Autos mit "alten" Akkus aus. 
Anzunehmen ist, dass der Wert von alten Stromern (ab zirka acht Jahren) rapide sinkt, da sich die Leistungsfähigkeit der Batterie dann verringert. Ist die Batterie einmal platt, könnte das den wirtschaftlichen Totalschaden nach sich ziehen.

Welche Verschleißteile haben Elektroautos?


Nissan Leaf
Elektromotoren sind einfacher gebaut und sie haben eine höhere Lebensdauer als Verbrenner.
Die prima Nachricht: E-Autos haben im Vergleich zum Verbrenner wesentlich weniger Verschleißteile. Beim Kauf eines Gebrauchten muss man also weniger beachten. Zahnriemen, Zündkerzen, Schaltgetriebe, Tanksystem, Auspuff – all das hat ein Stromer nicht. Und was es nicht gibt, kann auch nicht kaputt gehen. Stoßdämpfer und Fahrwerk unterliegen vergleichbaren Kräften und Abnutzung wie bei konventionell angetriebenen Autos, und sie sind auf das höhere Gewicht der E-Autos ausgelegt. Elektromotoren sind wesentlich einfacher aufgebaut als Verbrenner, haben eine höhere Lebensdauer und sind weniger wartungsintensiv. Das gilt auch für das Einganggetriebe und die Akkumulatoren. Einziger Schwachpunkt ist die Batterie.
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Wie lange hält die Batterie? Lässt die Leistung nach?

Die Frage aller Fragen. Glaubt man den Herstellern, hält die E-Auto-Batterie ein Autoleben lang. Fragt sich, was das heißt – bei guter Pflege kann ein Auto durchaus 15, 20 oder sogar noch mehr Jahre gute Dienste leisten. Eine so lange Lebensdauer dürfte kaum eine Batterie erreichen: Nach einer gewissen Anzahl an Ladezyklen lässt wie beim Handy die Leistung nach, die Reichweite sinkt, es muss immer häufiger nachgeladen werden. Moderne Lithium-Ionen-Akkus halten 1500 bis 2500 Ladezyklen. Bei durchschnittlicher Fahrweise entspricht das einem Zeitraum von rund zehn Jahren, und dann ist die Batterie ja auch nicht gleich tot, sondern mit einem verbleibenden Energiegehalt von 70 bis 80 Prozent nur etwas schwächer auf der Brust. Man sollte beim Kauf daher auf das Automodell und den Jahrgang achten: Im Laufe der Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, ein jüngerer Leaf fährt weiter als ein älterer und verbraucht weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge sind, desto besser ist die Qualität der Akkus und E-Motoren.

Wie finde ich heraus, ob der Akku noch fit ist?

Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen. So können Sie vor dem Kauf überprüfen lassen, in welchem "State of Health" die Batterie ist. Ein absolutes Muss! Unterschreiben Sie keinen Kaufvertrag für einen gebrauchten Stromer, ohne den Gesundheitszustand der Akkumulatoren zu kennen.

Was ist, wenn die Batterie doch kaputtgeht?

"Das ist nicht vorgesehen", so die Standardantwort der E-Auto-Hersteller auf Nachfrage von AUTO BILD. Die meisten Marken schweigen sich aus. Verständlich: Geht außerhalb der Garantiezeit (in der Regel acht Jahre oder 100.000 Kilometer) der Akku hopps, ist der Restwert des Autos fraglich. Ein extremer Fall war der Peugeot iOn, den AUTO BILD 2014 als Gebrauchtwagen getestet hat. Eine Ersatzbatterie kostete damals 24.374 Euro. Das waren 200 Euro mehr als ein kompletter, nagelneuer iOn! Wichtig: Es muss heute nicht mehr überall eine Investition in Höhe des Fahrzeugwerts kalkuliert werden, wenn der Akku den Geist aufgibt. Doch mehrere Tausend Euro werden fällig.

Sind E-Autos auf den Wechsel von Batteriemodulen ausgelegt?

Ein Austausch einzelner Akkumodule ist nicht bei allen Fahrzeugen vorgesehen. Beim BMW i3, VW e-Golf und e-Up oder auch dem Nissan Leaf ist so ein Tausch einzelner, kaputter Zellmodule möglich. Die Kosten bewegen sich zwischen 300 und 500 Euro. AUTO BILD empfiehlt, dem E-Auto der Wahl vor der Anschaffung diesbezüglich auf den Zahn zu fühlen.

Wie teuer ist die Wartung eines Stromers?


Laut einer Studie des Instituts
 für Automobilwirtschaft (IFA) und der Hochschule 
für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen von 2016 liegen die Wartungs-
 und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge rund
 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. So wer
den für einen Kleinwagen (Laufzeit acht Jahre, Jahresfahrleistung 8000 km) mit Elektromotor 2350 Euro fällig. Besitzer von Diesel- oder Benzinermodellen müssen mit 3650 Euro rechnen. Der Grund: kein Ölwechsel, kein Ersatz der Auspuffanlage, geringerer Bremsenverschleiß.

Wie unterscheiden sich Inspektion und Wartung vom Verbrenner?


Inspektion und Wartung unterscheiden sich in Aufwand und Kosten vom Verbrenner, aber nicht in ihrer Regelmäßigkeit. E-Autos werden von den Herstellern in den gleichen Zeitabständen zur Inspektion gerufen wie herkömmliche Autos. So soll garantiert werden, dass sich Funktion und Mechanik in einwandfreiem Zustand befinden. Die regelmäßige Wartung trägt zum Werterhalt bei und sichert die Garantieleistungen des Herstellers.
Der Inspektionsaufwand ist bei E-Autos allerdings wesentlich geringer. Zeitintensive Arbeiten wie etwa der Wechsel von Betriebsflüssigkeiten (Motoröl, Kühlwasser) fallen weg. Ein wichtiger Punkt ist dagegen die Überprüfung der Batterie. Die weiteren elektronischen Komponenten sind beinahe wartungsfrei. Dementsprechend sind die Inspektionskosten beim Verbrenner höher, da mehr Zeit aufgewendet wird und mehr Bauteile am Auto regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

Halten die Bremsen beim Elektroauto länger?

Ja! Das Zauberwort heißt Rekuperation und meint die Rückgewinnung von Energie im Brems- und Schubbetrieb. Das Elektroauto wird nicht nur durch den Elektromotor beschleunigt, sondern auch verzögert. Dadurch wird ein Teil der Bewegungsenergie in die Batterie zurückgespeist, und die Bremsen verschleißen weniger. Als Konsequenz sollen die Bremsen im E-Auto sechs- bis zehnmal länger halten als beim Verbrenner.

Lieber privat oder beim Händler kaufen?

Der ADAC rät, grundsätzlich bei seriösen Händlern oder Innungsmitgliedern zu kaufen. Und: "Käufer sollten auf eine möglichst neue Hauptuntersuchung achten." Auch ein durchgestempeltes Scheckheft weist auf ein gepflegtes Auto hin. Wichtig ist aber auch, vor dem Kauf die Kompetenz der Werkstatt der Wahl zu prüfen, weil wegen der Hochvolttechnologie speziell geschulte Mechatroniker notwendig sind.

Leasen oder lieber kaufen?

Der TÜV empfiehlt: "Wer sich beim Kauf unsicher ist, sollte sich ein Elektrofahrzeug für zunächst drei bis vier Jahre leasen." Das finanzielle Risiko hält sich dann in Grenzen.

Welche gebrauchten Stromer gibt's günstig?

Kleine und eher einfach ausgestattete Fahrzeuge wie der Renault Zoe kosten als Gebrauchte vergleichsweise wenig Geld. Da unterscheiden sich die Elektroautos nicht von den Verbrennern. Auch den Nissan Leaf kann man für erfreulich kleines Geld bekommen. Der Grund dafür ist, dass der Japaner bei Flottenbetreibern beliebt ist und immer wieder Leasingverträge auslaufen.