Elektroautos sind sauber, leise und günstig im Unterhalt. Also eigentlich eine wunderbare Alternative zu Benziner und Diesel. Eigentlich. Wären da nicht die hohen Anschaffungskosten!
Aber es muss ja kein elektrischer Neuwagen sein: Immer mehr Gebrauchte mit Stecker kommen auf den Markt. Sind die eine Alternative? Wie viel lässt sich sparen? Was sind die Schwachstellen von Stromern, und worauf ist beim Kauf zu achten? AUTO BILD gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Kauf von gebrauchten E-Autos!

Diese Elektroautos wissen zu überzeugen

Die zurzeit besten E-Autos

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
Audi Q4 e-tron
BMW iX
Hyundai Ioniq 5
Kia Niro EV
Kia EV6
Mazda MX-30
Mercedes EQS
Opel Corsa-e
Skoda Enyaq iV
Smart EQ fortwo
Tesla Model 3
Toyota bZ4X
Volvo XC40 Recharge

Wie lange muss man auf ein neues E-Auto warten?

Die Vorfreude aufs nagelneue Elektroauto wird bei vielen Herstellern durch lange Wartezeiten getrübt. Die Gründe sind eine unerwartet hohe Nachfrage, eine langsam voranschreitende Umstellung der Produktionslinien und der anhaltende Teile- und Chipmangel in der Autobranche.
Mittlerweile sind bis zu 20 Monate Geduld gefragt, für manche Modelle besteht gar ein vorübergehender Bestellstopp. Das Neuwagen-Vergleichsportal carwow.de (Kooperationspartner von AUTO BILD) hat ermittelt, auf welche E-Autos man wie lange warten muss, hier ein paar Beispiele: Beim VW ID.3 und ID.4 sind es 12 bis 13 Monate, ähnlich beim Kia EV6. Der Mercedes EQC lässt nach der Bestellung fast ein Jahr auf sich warten, bei den Opel-Modellen Corsa-e und Mokka-e dauert es zwölf bis fünfzehn Monate bis zur Lieferung.
Da lohnt sich der Blick auf Portale wie HeyCar, mobile.de, leasingmarkt.de, meinauto.de, autoscout24 oder am besten gleich in den Gebrauchtwagenmarkt von AUTO BILD, denn die dort inserierten Fahrzeuge sind sofort verfügbar.

Wie viel günstiger ist ein gebrauchtes E-Auto als ein neues?

Der Elektro-Gebrauchtwagenmarkt ist noch überschaubar, er wird do­miniert von den älteren E-Modellen wie Nissan Leaf, BMW i3 oder Renault Zoe. Die Preise variieren insgesamt von 15.000 bis 150.000 Euro. Gute Tesla mit weit über 100.000 km können auch mal mehr als 50.000 Euro kosten.
Zwar sind auch E-Gebrauchte durch den Umweltbonus förderfähig, aber nur unter be­stimmten Voraussetzungen. Bei der Erstzulassung darf noch kein Zuschuss beim Bafa beantragt worden sein. Weitere Hürden: Erstzulassung nach dem 4. November 2019, höchstens für zwölf Monate und maximal 15.000 Kilome­ter auf dem Tacho. Bedeutet praktisch: Förderung gibt's so gut wie nie. Neuen wie gebrauchten E-Autos gemein ist eine Zuverdienstmöglichkeit von mehreren Hundert Euro jährlich durch die THG-Prämie.
Generell können Sie aber genau wie bei konventionell angetriebenen Autos ordentlich sparen, wenn Sie einen Gebrauchtwagen erstehen. Ab rund 22.000 Euro ist in der AUTO BILD-Gebrauchtwagenbörse beispielsweise ein VW e-Golf (ehemaliger Neupreis 34.900 Euro) zu haben! Zieht man von den 38.060 Euro Neupreis für einen VW ID.3 9000 Euro Umweltbonus (zum Nachweis der Förderfähigkeit durch die Kaufprämie kann ein DAT-Gutachten helfen) ab, kommen dabei 29.060 Euro heraus – und der Zweithand-Vorgänger ist günstiger.
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So funktioniert ein E-Auto


Wer eher mit dem BMW i3 liebäugelt, muss mittlerweile sowieso auf einen Gebrauchten zurückgreifen – denn die Produktion des Elektro-Pioniers ist im Sommer 2022 ausgelaufen. Neu war der BMW mit einem Preis von 34.950 Euro fast exakt genauso teuer wie der e-Golf, gebraucht kostet er ab 28.500 Euro. Folgendermaßen sieht die Sache beim Tesla Model 3 aus: Das amerikanische E-Flaggschiff bekommt man für unter 40.000 Euro, neu sind inzwischen in der Basis knapp 50.000 Euro fällig.

Wie viel teurer als Verbrenner sind neue E-Autos?

Wie vieles in Zeiten hoher Inflation werden auch Neuwagen immer teurer. Laut Statista kosteten sie in Deutschland im Jahr 2021 durchschnittlich fast 37.800 Euro. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es noch 33.580 Euro. Allerdings machen Elektroautos da keine Ausnahme. So erhöhte Tesla den Preis fürs Model 3 im Frühjahr 2022 ebenso ad hoc und kräftig wie Ford den für den Mustang Mach-E. Bei Audi fallen einige Modelle durch die Preiserhöhung sogar aus der Förderung durch die Kaufprämie.
Insgesamt aber bewegen sich die Preise für neue Elektroautos seit Jahren kontinuierlich auf die Verbrenner zu. 2010 kostete ein E-Auto noch mehr als das Doppelte eines Pkw mit konventionellem Antrieb. 2014 waren es 45 Prozent mehr als beim Verbrenner, 2020 immer noch mehr als zehn Prozent Aufschlag. E-Autos sind im Vergleich deutlich günstiger geworden. Aber "erst wenn der Aufpreis unter zehn Prozent fällt, wird der Kaufpreis kein Argument mehr gegen die Elektromobilität sein", so Autoexperte Heiko Fink schon 2016 gegenüber AUTO BILD.

Bildergalerie

Kia Niro EV
Mercedes EQE 500 4Matic
Skoda Enyaq Coupe RS
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Alle neuen E-Autos im Überblick

Wie viel sind gebrauchte Stromer nach acht Jahren noch wert?

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Wertentwicklung von Elektroautos. Die Kaufprämie in Höhe von bis zu 9000 Euro hat den Preisdruck erhöht, denn so mancher Neuwagen ist auf einmal so günstig wie ein junger Gebrauchter. Das macht sich bereits massiv beim Restwertvergleich von Dreijährigen bemerkbar. Andererseits: Sollten irgendwann nur noch emissionsfreie Autos in die Städte fahren dürfen, würde das den Wert von E-Autos andererseits in die Höhe treiben. Kommen weiterhin neue, leistungsfähigere Batterien auf den Markt, wirkt sich das wiederum ungünstig auf den Restwert von Autos mit "alten" Akkus aus. 
Anzunehmen ist, dass der Wert von alten Stromern (ab zirka acht Jahren) rapide sinkt, da sich die Leistungsfähigkeit der Batterie dann verringert. Ist die Batterie einmal platt, könnte das den wirtschaftlichen Totalschaden nach sich ziehen.

Welche Verschleißteile haben Elektroautos?


E-Autos haben im Vergleich zum Verbrenner wesentlich weniger Verschleißteile. Beim Kauf eines Gebrauchten muss man also weniger beachten. Zahnriemen, Zündkerzen, Schaltgetriebe, Tanksystem, Auspuff – all das besitzt ein Stromer nicht. Und was es nicht gibt, kann auch nicht kaputtgehen.
Nissan Leaf
Elektromotoren sind einfacher gebaut und sie haben eine höhere Lebensdauer als Verbrenner.
Stoßdämpfer und Fahrwerk unterliegen vergleichbaren Kräften und Abnutzung wie bei konventionell angetriebenen Autos, und sie sind auf das höhere Gewicht der E-Autos ausgelegt. Elektromotoren sind wesentlich einfacher aufgebaut als Verbrenner, haben eine höhere Lebensdauer und sind weniger wartungsintensiv. Das gilt auch für das Einganggetriebe und die Akkumulatoren. Einziger Schwachpunkt ist die Batterie.
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Wie lange hält die Batterie? Lässt die Leistung nach?

Die Frage aller Fragen. Glaubt man den Herstellern, hält die E-Auto-Batterie ein Autoleben lang. Fragt sich, was das heißt – bei guter Pflege kann ein Auto durchaus 15, 20 oder sogar noch mehr Jahre gute Dienste leisten. Eine so lange Lebensdauer dürfte kaum eine Batterie erreichen: Nach einer gewissen Anzahl an Ladezyklen lässt wie beim Handy die Leistung nach, die Reichweite sinkt, es muss immer häufiger nachgeladen werden.
Moderne Lithium-Ionen-Akkus halten 1500 bis 2500 Ladezyklen. Bei durchschnittlicher Fahrweise entspricht das einem Zeitraum von rund zehn Jahren, und dann ist die Batterie ja auch nicht gleich tot, sondern mit einem verbleibenden Energiegehalt von 70 bis 80 Prozent nur etwas schwächer auf der Brust.
Man sollte beim Kauf daher auf das Automodell und den Jahrgang achten: Im Laufe der Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, ein jüngerer Leaf fährt weiter als ein älterer und verbraucht weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge sind, desto besser ist die Qualität der Akkus und E-Motoren.

Wie finde ich heraus, ob der Akku noch fit ist?

Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen. So können Sie vor dem Kauf überprüfen lassen, in welchem "State of Health" die Batterie ist. Ein absolutes Muss! Unterschreiben Sie keinen Kaufvertrag für einen gebrauchten Stromer, ohne den Gesundheitszustand der Akkumulatoren zu kennen.

Was ist, wenn die Batterie doch kaputtgeht?

"Das ist nicht vorgesehen", so die Standardantwort der E-Auto-Hersteller auf Nachfrage von AUTO BILD. Die meisten Marken schweigen sich aus. Verständlich: Geht außerhalb der Garantiezeit (in der Regel acht Jahre oder 100.000 Kilometer) der Akku hops, ist der Restwert des Autos fraglich.
Ein extremer Fall war der Peugeot iOn, den AUTO BILD 2014 als Gebrauchtwagen getestet hat. Eine Ersatzbatterie kostete damals 24.374 Euro. Das waren 200 Euro mehr als ein kompletter, nagelneuer iOn! Wichtig: Es muss heute nicht mehr überall eine Investition in Höhe des Fahrzeugwerts kalkuliert werden, wenn der Akku den Geist aufgibt. Doch mehrere Tausend Euro werden fällig.

Sind E-Autos auf den Wechsel von Batteriemodulen ausgelegt?

Die gute Nachricht: Viele Hersteller reparieren inzwischen Batterien zeitwertgerecht, indem sie statt des ganzen Akkupakets nur einzelne Zellen oder Module austauschen. Ein bis zwei Arbeitstage dauert der Service.
Aber: Ein Austausch einzelner Akkumodule ist nicht bei allen Fahrzeugen vorgesehen. Beim BMW i3, VW e-Golf und e-Up oder auch dem Nissan Leaf ist so ein Tausch einzelner, kaputter Zellmodule möglich. Die Kosten bewegen sich zwischen 300 und 500 Euro. AUTO BILD empfiehlt, dem E-Auto der Wahl vor der Anschaffung diesbezüglich auf den Zahn zu fühlen.

Wie teuer ist die Wartung eines Stromers?


Laut einer Studie des Instituts
 für Automobilwirtschaft (IFA) und der Hochschule 
für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen von lagen 2016 die Wartungs-
 und Reparaturkosten für Elektrofahrzeuge rund
 35 Prozent unter denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Auch der ADAC geht von einem niedrigeren finanziellen Aufwand aus. Grund: kein Ölwechsel, kein Ersatz der Auspuffanlage, geringerer Bremsenverschleiß.
Allerdings gibt es auch eine Untersuchung des US-Analyseunternehmens We Predict von etwa 19 Millionen E-Fahrzeugen der Modelljahre 2016 bis 2021, wonach die Wartungskosten zumindest zu Beginn höher sind. Demnach bräuchten Techniker länger für die Fehlerdiagnose, zudem sei der durchschnittliche Arbeitsaufwand höher.

Wie unterscheiden sich Inspektion und Wartung vom Verbrenner?


Inspektion und Wartung unterscheiden sich in Aufwand und Kosten vom Verbrenner, aber nicht in ihrer Regelmäßigkeit. E-Autos werden von den Herstellern in den gleichen Zeitabständen zur Inspektion gerufen wie herkömmliche Autos. So soll garantiert werden, dass sich Funktion und Mechanik in einwandfreiem Zustand befinden. Die regelmäßige Wartung trägt zum Werterhalt bei und sichert die Garantieleistungen des Herstellers.
Der Inspektionsaufwand ist bei E-Autos allerdings wesentlich geringer. Zeitintensive Arbeiten wie etwa der Wechsel von Betriebsflüssigkeiten (Motoröl, Kühlwasser) fallen weg. Ein wichtiger Punkt ist dagegen die Überprüfung der Batterie. Die weiteren elektronischen Komponenten sind beinahe wartungsfrei. Dementsprechend sind die Inspektionskosten beim Verbrenner höher, da mehr Zeit aufgewendet wird und mehr Bauteile am Auto regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

Halten die Bremsen beim Elektroauto länger?

Ja! Das Zauberwort heißt Rekuperation und meint die Rückgewinnung von Energie im Brems- und Schubbetrieb. Das Elektroauto wird nicht nur durch den Elektromotor beschleunigt, sondern auch verzögert. Dadurch wird ein Teil der Bewegungsenergie in die Batterie zurückgespeist, und die Bremsen verschleißen weniger. Als Konsequenz sollen die Bremsen im E-Auto sechs- bis zehnmal länger halten als beim Verbrenner.

Welche Reichweite soll es sein? Ist Schnelladen wichtig?

Sie sollten sich überlegen, wie viel Reichweite Sie wirklich in der Praxis benötigen. Wer etwa jeden Tag nur ein paar Kilometer zur Arbeit pendelt, braucht nicht unbedingt einen großen Akku. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Alltagstauglichkeit ist eine Schnellladefunktion, also dass das Auto mit Gleichstrom (DC) und Ladeleistungen von mehr als 50 kWh betankt werden kann. Diese Funktion ist besonders wichtig für Pendler und Langstreckenfahrer, die ihr E-Auto im täglichen Einsatz natürlich wesentlich häufiger laden müssen.

Lieber privat oder beim Händler kaufen?

Der ADAC rät, grundsätzlich bei seriösen Händlern oder Innungsmitgliedern zu kaufen. Und: "Käufer sollten auf eine möglichst neue Hauptuntersuchung achten." Auch ein durchgestempeltes Scheckheft weist auf ein gepflegtes Auto hin. Wichtig ist aber auch, vor dem Kauf die Kompetenz der Werkstatt der Wahl zu prüfen, weil wegen der Hochvolttechnologie speziell geschulte Mechatroniker notwendig sind.

Welche Versicherung ist die richtige?

Spezielle Leistungen für E-Autos sind oft schon in normalen Kasko-Tarifen enthalten, mitunter werden sie aber auch als spezielles Paket oder explizit als E-Auto-Tarif angeboten. Achten sollte man auf höhere Deckungssummen für Folgeschäden von Kurzschlüssen oder Marderbissen (bis 20.000 Euro). Auch Überspannungsschäden bei Blitzeinschlag sowie Diebstahl und Beschädigung von Ladekabeln und Wallboxen sollten abgedeckt sein. Der Kaskoschutz sollte zudem immer den Akku umfassen.
Wer vor allem beim Privatkauf auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine Reparaturkostenversicherung abschließen. Die Kosten sind aber recht hoch. Welche Bauteile oder Baugruppen versichert sind, wird im Vertrag genau festgelegt. Der Versicherungsschutz kann zum Beispiel Motor, Getriebe und Elektrik umfassen, neuerdings aber auch den Akku eines Elektroautos mit einschließen.

Leasen oder lieber kaufen?

Der TÜV empfiehlt: "Wer sich beim Kauf unsicher ist, sollte sich ein Elektrofahrzeug für zunächst drei bis vier Jahre leasen." Das finanzielle Risiko hält sich dann in Grenzen.

Welche gebrauchten Stromer gibt's günstig?

Kleine und eher einfach ausgestattete Fahrzeuge wie der Renault Zoe kosten als Gebrauchte vergleichsweise wenig Geld. Da unterscheiden sich die Elektroautos nicht von den Verbrennern. Auch den Nissan Leaf kann man für erfreulich kleines Geld bekommen. Der Grund dafür ist, dass der Japaner bei Flottenbetreibern beliebt ist und immer wieder Leasingverträge auslaufen.